meine Hand gereicht, ich hätte Dir mitgetheilt von meinen Erfahrungen, ich hätte Dich zu meiner Schülerin gemacht, und Dich die ſchwere Kunſt, die Welt zu beſiegen, gelehrt! Aber Du wollteſt nicht den Frieden, ſondern den Krieg. Du kamſt zu mir nicht mit verborgenem Dolch, ſondern mit vorgeſtreckter Lanze. Sieh zu, daß die Waffe ſich nicht gegen Dich kehrt, und Du nicht verbluteſt an dem Schwert, mit welchem Du ſiegen wollteſt!“
„Ich fürchte weder die Welt, noch Eure ver⸗ gifteten Waffen,“ rief Giſela feſt und kühn.„Das Glück läßt ſich nicht erobern, es ſenkt ſich mit ſtillem Gottesfrieden in unſere Seele, und nur, wer gläubig zu ihm betet, dem erſcheint es, dem ergiebt es ſich!“
„So ſagen die Narren und die Kinder, kluge Leute wiſſen es beſſer. Gehe denn hin mit dieſem thörichten Wahn; er wird Dich bald zu Abgrün⸗ den führen, an denen Du mit gerungenen Hän⸗ den, mit fliegendem Haar umſonſt nach Rettung und Hülfe ſchreieſt.“
„Ich werde nicht ſchreien, aber mit feſtem Ver⸗ trauen mir über den Abgrund eine Brücke ſchlagen, über welche die Hoffnung mich ſicher leiten ſoll!“
„Aber bedenke,“ rief Judith mit wildem La⸗ chen,„bedenke, daß ich hinter Dir bin, bereit Dich hinab zu ſtoßen in den Abgrund. Bedenke, daß Du von nun an eine Feindin in mir haſt, die nicht eher ruhen wird, als bis ſie verblutend,
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