IX.
Die Trennung.
Nicht ohne Zagen ſah Giſela des andern Ta⸗ ges dem Begegnen mit ihrer Schweſter entgegen. Sie wagte es nicht, wie ſie ſonſt gewohnt war, in den Salon hinab zu gehen, ſondern hielt ſich
ſtill in ihrem Zimmer, Judith's Beſchließungen
und Plane ruhig erwartend.
Dieſe aber war keinen Augenblick unentſchloſſen, welche Rolle ſie hier zu ſpielen habe. Sie wußte, daß ihr die geſtrige Scene Vermögen und Ruf rauben konnte, ſobald dieſelbe bekannt würde, aber ſie wußte auch, daß Giſela nimmer ſie verrathen würde, daß ſü⸗ edelmüthig genug, in keinem Falle das finſtere Geheimniß dieſer Nacht zu enthüllen.
Und einmal dieſe Ueberzeugung gefaßt, beſchloß Judith, weder mit Bitten, noch mit Verſprechun⸗ gen ſich Giſela zu nähern, ſondern ſich durch un⸗
erſchütterliches Leugnen dieſe Demüthigung zu er⸗
ſparen.
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