Die Equipagen, die Dienerſchaft, die reichen Livreen, das Alles verſchwand, und begleitet von ihren beiden Kindern und einer einzigen treuen, alten Magd bezog die Baronin Waidmann ein einſames kleines Jagdſchloß mitten im Walde, das Einzige, was ihr, außer einem kleinen, kaum zum ausreichenden Capital, aus den Tagen früheren Glanzes geblieben war.
Dieſer Wechſel war der erſte Lebensſchmerz der damals zwölfjährigen Judith geweſen. Sie hatte nicht geweint bei dem Tode ihres Vaters, den ſie nur gefürchtet, nimmer geliebt hatte; ihr Herz war ungerührt geblieben bei dem Abſchied von den ſchönen Gartenplätzen, die ihre kindiſchen Spiele und Freuden geſehen, von den Dienern, die weinend ihr die Hand zum letzten Gruße dar⸗ reichten und unter Thränen das Schloß verließen, in welchem ſie, Dank dem milden, freundlichen Walten der Baronin, nur Gutes genoſſen. Aber als die ſtattlichen Equipagen fortgeführt, als die koſtbaren Meubles verkauft waren, da weinte Ju⸗ dith und warf ſich troſtlos in die Arme ihrer Mutter.
„Oh,“ ſagte ſie ſchluchzend und zitternd vor Schmerz,„von nun an werden wir alſo, wie das geringſte Bauermädchen, zu Fuße auf der Straße gehen, und gleich dieſem demüthig bei Seite treten müſſen, wenn irgend eine Equipage daher kommt.“ Vergebens waren die freundlichen Troſtesworte


