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die Zimmer hinein den erſten, wenn auch matten Gruß des nahenden Frühlings zu ſenden.
Aber durch die Fenſter jenes ſtattlichen Hauſes dort dringt ſie nicht, denn dieſe Fenſter ſind dicht verhangen, und da drinnen erwartet man nicht den Frühling mit ſeinem neuen Leben, ſondern den Tod mit ſeiner ewigen Ruhe.
Die Fenſter ſind dicht verhangen, und in die⸗ ſem ſtillen dunklen Zimmer wird der letzte Act einer Tragödie abgeſpielt, die wir Leben nennen und die reich iſt an großem Leid und tiefem Weh, in welcher der Menſch ſtets der ringende und un⸗ terliegende Held, das Schickſal der Dichter iſt.
In dieſes ſtille Gemach dringt kein Laut der Außenwelt, und'wenn zuweilen ein Geränſch die
Stille deſſelben unterbricht, ſo iſt es vas leiſe
Aechzen eines jungen Weibes, das dort auf ſeide⸗ nen Kiſſen, auf weichem Lager den harten Druck des Lebens ſchwer empfindet in ihrer Bruſt, die nun bald von leichter Erde bedeckt ſein wird. Vielleicht iſt ihr das Leben minder leicht ge⸗ weſen, und ſie hat ihr Hanpt gebeugt unter der Laſt der Welt, gebeugt, bis es zuſammenbrach. Nicht die Krankheit allein hat dieſes jugend⸗ liche Antlitz gebleicht, nicht der nahende Tod hat
das Lächeln von dieſer Lihp⸗ geküßt, das Leben hatte ſchon lange dem Tode hier vorgearbeitet und † der Krankheit, es hatte dieſen holden Lippen ihr


