er bittet mich um eine ungeſtörte Stunde. Ich darf den Freund meiner Kindheit nicht umſonſt bitten laſſen. Vertröſte die Herren auf morgen,“ ſchloß ſie mit halb ſpöttiſchem Lächeln.
„Sie werden Sturm laufen, ſich nicht zuftie⸗ den geben, bis ſie Dich geſehen, Emilie, bis ſie ſich an Deinen Reizen erquickt haben,“ ſagte Er⸗ neſtine in gewohntem Pathos.
„Ich bitte Dich, laß dieſe Reden—= Du ſo wenig, wie ich, glauben das.— Sage ihnen, ich ſei beſchäftigt mit meiner Rolle für heute Abend, und wolle nicht geſtört ſein.“
„Macht Niemand eine Ausnahme,“ fragte Er neſtine,„auch nicht Graf Carl?“
„Niemand,“ wiederholte Emilie ernſt.—„Horch, es klingelt. Nur der Geheimrath darf zu mir kommen.“
Erneſtine ging hinaus und Emilie blieb al⸗ lein.— Sie war, wie Graf Carl ſie geſchildert, nicht ſchön, aber ein höchſt anziehendes Geſicht. Aus den tiefen, dunklen Augen ſprach Seele und Gefühl, freilich auch etwas Stolz; um die glü⸗ henden Lippen ſpielte ein fröhliches, anmuthiges Lächeln, und die roſigen Wangen, die klare Stirn zeigten, wie wenig von dem Schmerze des Lebens dies junge blühende Weſen noch empfunden. Die volle hohe Geſtalt war ſtolz emporgerichtet und einer Königin würdig, und der Fuß, die Hand von reizender Form und Kleinheit.


