P Rönig Rarl I.
Es war im Mai des Jahres 1660. Der Mai hat von jeher das Privilegium gehabt, der„Wonne⸗ mond“ genannt zu werden, er war es vor zweihun⸗ dert Jahren ſo gut, wie jetzt, obwohl er auch damals ſeine kalten Nächte, ſeine rauhen Tage, und ſeine ſpärlichen oft vom Froſt geſchüttelten und zerſtörten Blüthen hatte! Vielleicht nennen wir in unſerm nor⸗ diſchen Klima den Mai nur um deswillen den„Wonne⸗ monat,“ weil in demſelben bei uns die Dornen blü⸗ hen, und ihre drohenden und verwundenden Stacheln unter milchweißen Blithen verbergen, während wir ſonſt das ganze Jahr hindurch von den Dornen ohne Blüthen zu leiden haben!
In dieſem Betracht war der Mai des Jahres 1660 für den Sohn des enthaupteten Königs Karl I. von England in der That ein Wonnemonat. Er hatte bis dahin auf ſeinen Irrfahrten viele Dornen gefunden und wie oft war ſein flüchtender Fuß nicht von ihnen zerriſſen worden; wie oft hatten ſie ſich nicht tief in die Bruſt dieſes gedemüthigten Fürſten eingebohrt, als er bei fremden Höfen Schutz ſuchen und Beiſtand erflehen mußte. Zwar konnte er es nicht leugnen, daß man ihn am Hofe Ludwigs XIv. mit Wohlwollen aufge⸗ nommen und eine ächt Königliche Freigebigkeit an ihm geübt habe; aber gerade das Wohlwollen, das einer Wohlthat ähnlich geſehn, war ein verwundender, tief


