Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

166

gängliche Höhle flüchten und Einſiedler werden. Ja, ja, wenn man die Menſchen betrachtet, wie ſie heu⸗ cheln und ſich einander verrathen, und ſich Liebe ſchwören, indem ſie ſich meuchlings erwürgen, wie ſie ſich einander überall Hinderniſſe in den Weg legen, indem ſie betheuern, ſich einander den Pfad ebnen zu wollen, ſo muß man lachen. Ah, wer wäre im Stande, dies ernſthaſt zu nehmen, und nicht den Verſtand darüber zu verlieren! Nein, nein, es iſt nur zum Lachen! Schwüre der Treue, der Uneigennützigkeit, Verſicherungen der Liebe, des Erbarmens, ah, ich werde darüber lachen, denn ich weiß, was das Alles werth iſt! Ja, über die Menſchen werde ich lachen, und mich ihrer erlogenen Tugend freuen, aber das Leben werde ich ernſt neh⸗ men, ſehr ernſt. Das Leben gleicht einer Schachpartie, welche ich gegen alle Menſchen und alle Menſchen gegen mich ſpielen! Es iſt eine Partie auf Leben und Tod, und wer die feinſten und überlegenſten Züge thut, der gewinnt ſie! Ach, ich werde mich bemühen, das Schach dieſes Lebens mit Geſchick zu ſpielen und die, welche mich verlieren laſſen, zu vernichten! Ich werde alſo gegen die ganze Menſchheit ſpielen, und die ganze Menſchheit wird gegen mich ſpielen! Das iſt die Aufgabe meines Lebens! Weiter nichts!

Die Aufgabe des Weibes iſt, Andere glücklich zu machen! ſagte der Graf bittend.

Ah, Sie ſchwärmen, rief Aphra mit einem bit⸗ tern Lachen. Gehen Sie, ich habe eine andere Auf⸗ gabe zu erfüllen. Ich will mich ſelber glücklich machen! Das iſt vas erſte und heiligſte Geſetz der Natur, und der erſte Schritt zu dieſem Ziel iſt, daß ich Sie auf immer verlaſſe!

Sie wollen alſo wirklich gehen? ſchrie der Gou⸗ verneur mit gerungenen Händen.