Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
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16 Der Schwur. Eine ſüße Stille herrſchte ringsum in der ganzen

Natur. Die glühenden Streifen der Abendſonne hüll⸗

ten die Landſchaft wie in ein purpurnes Gewand ein, und warf hier ein magiſches Licht auf die Bananen und die im Abendwind flüſternden Palmen, während dort die Dämmerung ſchon ihre langen Schatten über das Dattelgehölze und die Pinien zu legen begann. Im nahen Palmenwalde ſchnatterten die Papageyen mit lautem ſchrillem Gekreiſch, oft übertönt von dem Geſchrei der Affen, oder dem gluckernden Gelächter der großen Waldtaube des Südens.

Das junge Mädchen, das ſich über den Balkon jenes ſtattlichen Gebäudes dort lehnte, ſchaute mit ſinnenden Blicken auf dieſes ſchöne lebensvolle Bild vor ihr. Sie war ſchön und lieblich anzuſchauen; aus ihren blauen Augen leuchtete eine Welt von Un⸗ ſchuld und Ingend, ihr dunkles Haar hing in langen dichten Locken zur Seite ihrer leichtgerötheten Wangen

nieder, um ihre purpurnen leicht aufgeworfenen Lippen ſpielte ein jugendfriſches Lächeln. Aber doch

fühlte man, daß auch dieſes leuchtende ſonnenhelle Antlitz ſchon geweint, daß ſchon Wolken über dieſe

hohe reine Stirn hingezogen. Wenn ſie, wie jetzt,

träumeriſch mit holdem Lächeln ihren ſtillen Gedanken ſich hingab, dann glich ſie mit dieſer zarter