98
muͤthsverfaſſung in der ſie hierzu den Ritter fand und in der ihre Perſon offenbar den mächtigſten Eindruck auf ſein erſtauntes Auge hervorbrachte, mochte ihr den beabſichtigten Sieg als bereits er⸗ folgt vorſpiegeln, und die freudige Genugthuung hieruͤber ſie zu der zaͤrtlichen Hingebung auffor⸗ dern, welche ſpaͤterhin, wie ſie, höchſt unmuthig werdend, ihren Hauptzweck nicht erreicht ſah, und daher Blanca's Bild dem ihrigen nunmehr unter⸗ ſchieben zu muͤſſen dachte, fuͤr muͤtterliche Zaͤrt⸗ lichkeit ausgegeben wurde.
Nach langer, innerer Truͤbſal war es die erſte Nacht wieder, in der ein erquickender Schlaf den Ritter Oldſon empfangen hatte. Was kuͤmmerten ihn nun die widrigen aͤuſſern Verhaͤltniſſe, wenn ihm Blanca's Geſinnung, ihre Liebe, unveraͤndert geblieben war? Kein Gedanke in ſeiner Seele, ihren Beſitz durch den Uebertritt zu des Königs Parthei zu erwerben. Das haͤtte ſich dieſes Be⸗ ſitzes unwuͤrdig machen heißen! Und wenn auch die Geliebte ſelbſt, befangen in den Anſichten der Parthei, worein ſie ihre Verhältniſſe verflochten, und ihre wahrhafte Anhaͤnglichkeit an die Koͤnigin dieſen Uebertritt ſehnlichſt wuͤnſchte, ſo konnte er einen Wunſch ihr doch nicht gewaͤhren, der ihm den


