Teil eines Werkes 
1. Th. (1845)
Entstehung
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ſich nun gegen uns gewandt; ſie muſtert uns genau und richtet ihren Blick abwechſelnd auf mich und Ninie. Ich ſtellte mich, als ob ich dieß nicht bemerkte, und ſah im Saale herum. Auf einmal zeigte mir Ninie, welche mein Stillſchweigen gegen ſie wahrſcheinlich gelangweilt hatte, eine ihrer Hände mit den Wor⸗ ten:Siehſt Du, wie weiß ſie heute ſind; ich habe ſie dieſen Morgen geſeift.

Dießmal wollte ich mich unter die Bank verſtecken ich kann nicht mehr.. ich erſticke und höre hinter mir ſagen:Nun iſt es kein Wunder mehr, wenn man Knoblauch riecht.

Ich ſetzte mich wieder, ohne daß ich aufzuſchauen wagte. Ohne Zweifel wird man auf meinem Ge⸗ ſichte meine Empfindungen geleſen haben, denn Ninie fragte mich, was mir fehle, ob es mir übel ſei?

Mir fehlt nichts.

Sie wurden roth, blaß...

Mir fehlt nichts, ſage ich Ihnen.

Ich ſehe aber doch, daß..

Seien Sie ſtill.

Ninie verzieht das Geſicht und ſpricht kein Wort mehr. Vie ſehr muß dieſe Dame ſich über mich luſtig machen, wie ſehr mich auslachen!.. Ich will mich davon überzeugen, und betrachte ſie.. Aber nein, ich ſehe in ihren Augen nicht jenen ſpöttiſchen Aus⸗ druck, den man in den Augen unſerer Nachbarn le⸗ ſen kann; in dieſem Augenblick ſcheint ſie eher mit meiner Lage Mitleiden zu haben ach, wie dank⸗ har bin ich ihr für dieſen geringen Antheil!