19 ein geheimes Vorgefühl ſagt mir, daß er von ihr ſei, und ich ſehe es an den Schriftzügen, vaß ich mich nicht getäuſcht habe. Ich entlaſſe meinen Por⸗ tier und öffne den Brief... Was kann ſie mir heute ſchreiben, wo ſie ſich vorſtellen kann, daß ich ſie be⸗ 8 ſuchen werde?... Ich will einmal leſen: „Mein Freund!...“ Ihr Freund... dieſes Wort verleiht mir wieder Muth, ſie iſt alſo nicht böſe... „Die Scene von geſtern hat einen ſchmerz⸗ lichen Eindruck auf mich gemacht; ich kann mich nicht an den Gedanken gewöhnen, daß mein Mann jetzt das Recht habe, mich zu verachten...“ Sie verachten, welcher Einfall! Iſt nicht er allein ſtrafbar, verdient nicht er allein ver⸗ achtet zu werden?...„Um die Unvorſichtigkeit meines Betragens wieder gut zu machen, und beſonders um die Schwäche zu beſie⸗ gen, wovon ich Ihnen Geſtändniß gemacht habe, wird es das Beſte ſein, wenn ich Sie nicht mehr ſehe...“ Mich nicht mehr ſehen!... ach, warum nicht gar! das iſt ſehr ſtark...„Geſte⸗ hen Sie, mein lieber Paul, daß es das Klügſte iſt, was ich thun kann, denn wer 6 ſteht mir dafür, wennich Sie noch ferner ſehe, daß ich am Ende nicht ganz ſtrafbar zn werde?...“ Zum Henker! ich hoffe es auch.. aber ſie nennt das ſtrafbar!...„Ich wage jetzt nicht nehr, auf meine Kraft mich zu verlaſſen, noch auf meine Vernunft...“ Ihre Vernunft! ihre Vernunft!... Dieſe Frau macht, daß ich die
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