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noch beſuchen. Doch nein, es iſt elf Uhr vorbei; es wäre zu unſchicklich. ich muß bis morgen warten.
Woher kommt es doch, daß ich vor Ungeduld meinen
Beſuch bei ihr kaum abwarten kann, obgleich ich jetzt
überzeugt bin, daß ich nicht geliebt werde?
Nach einer Nacht, deren Stunden ich alle gezählt habe, ſehe ich endlich den Tag grauen, welcher mir zwar kein Glück bringen wird, der aber hoffentlich das Ende einer Verbindung ſehen wird, die mir bloß Qualen verurſachen kann.
Ich ſtehe auf, kleide mich an, gehe aus, ich finde nirgends Ruhe. Ich begebe mich in ihre Straße, unter ihre Fenſter: Alles iſt noch geſchloſſen. Ach! ich glaubte nicht, daß ich ſie ſo ſehr liebte! Wenn ſie wüßte, wie ſehr ich ſie liebe, ſo wäre ſie viel⸗ leicht mitleidig gegen meine Qualen. Man liebt, weil es Einem gefällt; aber man liebt nie, um Je⸗ mand Vergnügen zu machen.
Ich kehre auf die Bouledards zurück und gehe in ein Kaffeehaus. Es ſchlägt endlich neun Uhrz ich mache mich auf den Weg, um ihr meinen Beſuch abzuſtatten, wiewohl es noch etwas früh iſt. Ich frage ihre Magb. ob ſie auf ſei.
„Ja, mein Herr, meine Frau iſt ſchon lange auf.“
„Fragen Sie ſie, ob ich eintreten darf.
Die Magd geht fort, kommt aber bald zurück und meldet mir, ihre Frau erwarte mich in ihrem Zimmer.
Ich ſuche meine Unruhe zu bemeiſtern, aber es iſt mir nicht möglich; ſie kommt auf mich zu.
„Heute ſfind Sie frühe, Herr Deligny,“ ſagte ſie


