441
nicht, ob er mich geſehen hat, allein er ſetzte ſeinen Weg fort, ohne nur anzuhalten oder ſich umzudre⸗ hen... Ich konnte mich nicht mehr auf den Füßen halten!... ganz beſtürzt über dieſes Begegnen kam ich nach Hauſe zurück und erzählte es ſofort Char⸗ lotte. Dieſe ſagte zu mir:„Du biſt eine dumme Gans; Dein Adolph iſt ein Gauner, ein Treuloſer, Du hätteſt ihm nachlaufen, auf der Straße Grob⸗ heiten machen und mit Deinen Eltern drohen ſollen, wenn er Dich nicht von Neuem unterhalte.““
„Jungfer Charlotte hat Ihnen einen ſehr ſchlim⸗ men Rath ertheilt.“
„Ach! ich war nicht Willens, ihn zu befolgen; Sie wiſſen es wohl, ich bin nicht im Stande, Je⸗ manden Grobheiten zu machen, ſei es nun auf der Straße oder in einem Hauſe!... Indeſſen war ich mir ſelbſt böſe, daß ich Adolph nicht nachgelaufen bin, ich hätte wiſſen mögen, wo er wohnt und ob er mit der ſchönen Dame, die er am Arme führte, verheirathet iſt. Mehrere Tage verſtrichen; ich hoffte, er werde mich beſuchen, weil er in Paris iſt, aber er iſt nicht gekommen; endlich vor vier Tagen bin ich Adolph auf dem Siegesplatze wieder begegnet: dießmal war er allein, und ich ſagte bei mir ſelbſt, er wird mich wohl ſehen müſſen. Er ging ſehr
chnell, aber ich holte ihn ein und hielt ihn mit
den Worten an:„Gottlob! daß ich Ihnen begegne, mein Herr, denn ſeit Ihrer Zurückkunft aus England beſuchen Sie mich nicht oft.. Er erröthete, ſtellte ſich übelgelaunt und antwortete mir: Meine liebe Freun⸗
„


