Erſtes Kapitel. Betrachtungen.— Anvertrauen.— Bruch.
Meine Operpartie mit Ninie hat mich zu ziemlich
ernſthaften Betrachtungen veranlaßt. Zuerſt dachte
ich bei mir ſelbſt: ein Mann von Erziehung und Lebensart, der in der großen Welt einen gewiſſen
Rang einnimmt, ſollte ſich der Gefahr nie ausſetzen,
über die Wahl ſeiner Bekannten zu erröthen. In⸗ deſſen will ich wohl zugeben, daß die Liebe, oder iene Launen, welche ihr gleichen, zu Thorheiten ver⸗ leitet; in dieſem Fall iſt man nie linkiſch und ver⸗ legen, denn wenn man verliebt iſt, ſo ſcheint der Gegenſtand unſerer Glut uns jede andere zu über⸗ wiegen, und ſicherlich hätte ich mich, wenn ich in Ninie ſehr verliebt geweſen wäre, ſehr wenig darum bekümmert, ob ſie nach Koblauch gerochen oder zu laut geſprochen haben würde. Wenn wir uns aber nicht mit dieſem gebieteriſchen Gefühl entſchuldigen können, welches das menſchliche Geſchlecht zu ſo viel Tollheiten verleitet, ſo ſehe ich ſelbſt ein, daß ein vertrautes Verhältniß mit Perſonen nicht zu entſchul⸗ digen iſt, deren Ton, Erziehung und Benehmen mit dem unfrigen durchaus nichts gemein hat; was in⸗ Paul de Kock. LI. 1


