Druckschrift 
Marie Henriquez Morales : Erzählung / Grace Aguilar. Frei bearb. u. mit e. Vorw. vers. von J. Piza
Entstehung
Einzelbild herunterladen

268

Entſchloſſenheit zurück. Eine Weile noch lag ſie knieend vor der Königin und bedeckte das Geſicht mit beiden Händen. Ein Heer der widerſprechendſten Gefühle be ſtürmte in dieſem furchtbaren Augenblick das ſchwache Frauenherz. Immer kehrte die Verſuchung wieder, das verlangte Wort zu ſprechen und eines Glückes theilhaftig zu werden, deſſen bloße Vorſtellung ſie mit ſchwindeln⸗ der Freude erfüllte und immer ward dies Wort von jener lauten Stimme ihres Innern zurückgedrängt. Es war ein ſchrecklicher Kampf doch alsbald erhob ſich Marie langſam, und ihre marmorbleichen Züge trugen das Gepräge der Entſchloſſenheit.Es iſt vor über, ſprach ſie.Alle Schwäche iſt beſiegt, Königin, verhängt nun Alles über mich ich muß es tragen, denn das Wort, welches Ihr begehrt, kann ich nicht ausſprechen. Ich entſage Eurer Huld und Arthurs Liebe. So will es das Geheiß Gottes und er wird mich ſtärken, ihm zu folgen. Laßt nun Kerker, Tortur und Tod wider dies gebrochene Herz heranziehen es mag ſein: ich kann nicht von mir ſelber abfallen! Schwer getroffen ward Iſabelle von dieſer uner⸗ warteten Entſcheidung, doch zu hehr war die Begeiſterung für den eigenen Glauben, welche in ihrem Buſen lebte, als daß nicht aus Mariens heroiſchem Entſchluſſe eine verwandte Stimme zu ihrem Herzen ſprechen ſollte. Sie verabſcheute die Lehre der Juden, aber der Geiſt der Selbſtverleugnung, welcher ein Kind des verworfenen Stammes trieb, dieſer Lehre die heißeſten, leidenſchaft⸗

O

lichſten Gefühle zum Opfer zu bringen, erinnerte ſie