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Marie Henriquez Morales : Erzählung / Grace Aguilar. Frei bearb. u. mit e. Vorw. vers. von J. Piza
Entstehung
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Ueberzeugung, welche man von ihr verlangte, zu faſſen, wohl war es ihr oft, als müßte ſie ſich der ſchwärzeſten Undankbarkeit wider ihre königliche Beſchützerin zeihen, aber es lebte eine Stimme in ihr, deren Mahnung ſie nicht entfliehen konnte, und die ihr unabläſſig zurief: Im Herzen kannſt Du nicht Chriſtin werden und in Worten allein darfſt Du es nimmer ſein!

So waren unter fruchtloſen Bemühungen des from⸗ men Paters mehr als drei Monate verfloſſen. Von Tag zu Tag hatte er beſſeren Erfolg gehofft, ſeinen Eifer geſteigert und alle Heiligen um einen gedeihlichen Aus⸗ gang ſeines frommen Vorhabens angefleht, doch Alles war vergeblich, und ſo wandte er ſich endlich in tiefſter Zerknirſchung an die Königin, erklärte ſich für unfähig, Marien zu bekehren und bat, dieſe Aufgabe einem fähi⸗ geren Manne zuzutheilen. Bitter enttäuſcht erfuhr Iſa⸗ belle, daß ſelbſt der ſanfteſte, menſchenfreundlichſte Prieſter Segovia's fernere Rachſicht in dieſem Falle für fruchtlos erklärte und entſchloß ſich nun, wiewohl mit innerem Widerſtreben, den Rath ihres Beichtvaters einzuholen. Torquemada hörte ſie an mit gerunzelter Stirn und zu⸗ ſammengepreßten Lippen. Ihn überraſchte, wie er ſagte, das Alles nicht; es wäre Alles gekommen, wie er erwar⸗ tet hätte, denn das ungläubige Volk der Juden verſtände durch ſchwarze Künſte Auge und Herz aller Derer zu blenden und zu umſtricken, die ſeine Bekehrung auf dem Wege der Milde verſuchten. Zu dieſer Einſicht wäre auch Pater Dioniſio gekommen gleich Allen, die ſich ge⸗ ſcheut hätten, Ketzerthum durch rückſichtsloſe Strenge zu