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Marie Henriquez Morales : Erzählung / Grace Aguilar. Frei bearb. u. mit e. Vorw. vers. von J. Piza
Entstehung
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Heinrich fehlte ſelbſt der gute Wille. Geſchöpfe ſeiner Gunſt lenkten ihn und den Staat. Im Lande wurden Geſetz und Recht machtlos; die rohe Begierde, vor keiner Schandthat zurückbebend, drang frech in die Wohnungen der Bürger, während Mord und Raub die Heer⸗ ſtraßen unſicher machten. Um allem Unheil die Krone aufzuſetzen, ließ ſich Heinrich von ſeiner Gemahlin Blanca von Navarra ſcheiden und vermählte ſich mit der eben ſo ehrſüchtigen als gewiſſenloſen Johanna von Portugal, unter deren Einfluß der Hof von Caſtilien, den einſt Zucht und Sitte geſchmückt hatten, nun vollends zum Tummelplatze wüſter Leidenſchaften und ſchamloſer Intriguen herabſank. Fünf Jahre blieb dieſe Ehe kinder⸗ los, und ſchon betrachtete man ſtillſchweigend den jugend⸗ lichen Alfonſo, der nebſt ſeiner Schweſter Iſabella aus des verſtorbenen Königs zweiter Ehe entſproſſen war, als nächſten und unbeſtrittenen Thronerben, da genas die Kö⸗ nigin einer Tochter und Heinrich beeilte ſich, dieſe zu ſei⸗ ner Nachfolgerin zu erklären. Indeſſen war das ſträfliche Verhältniß, in welchem die Königin zum Marquis von Villena ſtand, ruchbar geworden, und zu tief wurzelten noch in den Männern des Caſtiliſchen Adels die Grund⸗ ſätze einer ruhmvollen Vergangenheit, als daß ſie auch dieſe letzte und größte Schmach widerſtandslos über ſich ergehen ließen. Die edelſten Würdenträger des Reiches erklärten alsbald ohne Rückhalt auf einer feierlichen Ver⸗ ſammlung zu Avila, daß ſie jenes Kind nicht als des Königs Tochter anerkännten und daß der ehrvergeſſene Heinrich jedes Recht an Krone und Reich verwirkt hätte.

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