Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859) The mother's recompense
Entstehung
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die ihr Thränen in die Augen lockte.Du haſt Recht, bei einem Charakter wie dem deinigen brauche ich nicht zu be⸗ klagen, daß Du jeden Heirathsantrag ſo entſchieden zurück⸗ gewieſen haſt. Meine Mädchen werden in dem Alter, wo ſie glauben, daß die Ehe die einzige Möglichkeit des Glücks bietet, zu Dir kommen und Du wirſt ſie lehren, daß das Glück nicht ſowohl in den äußeren Umſtänden, ſondern viel mehr in der Geſinnungsweiſe ruht. Vielleicht, Ellen, biſt Du bei alledem glücklicher in Deinem Verhältniß. Du hätz⸗ teſt vielleicht nicht ſolch einen Gatten gefunden, wie ich ihn Dir gewünſcht hätte, und es würde mir leid thun, Deine mütterlichen Sorgen belohnt zu ſehen, wie die der armen Greville.

Ich glaube vielmehr, daß man über dem Glücke der Gegenwart die Vergangenheit ganz vergißt, bemerkte Ellen gedankenvoll.Kummer und Sorgen begleiten das glück⸗ lichſte Loos, aber wenn eine Mutter ihre Pflicht erfüllt, ſo wird es nach meiner Meinung ſelten fehlen, daß ſie ihren Lohn empfängt, wie lange er auch ausbleiben mag.

Du haſt Recht, meine Ellen, ſagte Mrs. Hamilton, die der Unterhaltung eine Zeitlang unbemerkt zugehört hatte. Es giebt viele Sorgen und Nöthen, die unzertrennlich von der mütterlichen Liebe ſind, aber man vergißt ſie ganz und gar, oder denkt ihrer nur, um die Süßigkeit des Lohnes zu erhöhen, der endlich folgt. Glaubſt Du nicht, daß es ein köſtlicher Lohn für Alles, was ich für meine Kinder gethan und getragen habe, ſein muß, wenn ich ſie den Pfad wan⸗ deln ſehe, der allein zum ewigen Leben führen kann? Wenn ſie ihre Kinder mit ſich führen und ſie zu Erben der Unſterb⸗ lichkeit erziehen, und dennoch mir und ihrem Vater die Liebe und den Gehorſam früherer Jahre widmen? War ich nicht ſelbſt da belohnt, als ich die letzten Augenblicke mei⸗ nes Herbert überwachte, ols ich die freudige Flucht ſeines reinen Geiſtes nach ſeiner himmliſchen Heimath ſah? Ich

ſah die Frucht der Lehren, die ich ihm durch die Gnade Got⸗

tes eingeflößt hatte; ſein letzter Hauch ſegnete mich, und war dies nicht genug? O meine geliebten Kinder, laßt 21*