Teil eines Werkes 
2. Bd. (1859) The mother's recompense
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſtrömen und mein Herz noch milder machen, um ſeine Herr⸗ lichkeit in mich aufzunehmen.

Sie hörte auf zu ſprechen, doch ihre Lippen bewegten ſich immer noch wie im ſtillen Gebet; einige Minuten ver⸗ floſſen und plötzlich verdunkelte ſich das glühende Licht der Sonne, wie von einem dazwiſchen tretenden Schatten. Die Mutter ſchlug die Augen auf, und im nächſten Augenblicke lag ihr Sohn zu ihren Füßen.

Mutter, kannſt Du mir verzeihen, mich wieder auf⸗ nehmen? Stoße mich nicht zurück, ich kann Dich nicht ver⸗ laſſen.

Dich zurückſtoßen, mein Sohn, o nie, nie! rief ſie aus, und indem ſie ihn an ihre Bruſt drückte, netzten Freu⸗ denthränen ſeine Stirn. Sie ließ ihn los, um ihm wieder und wieder ins Geſicht zu ſehen, um ihn feſter an ihr Herz zu ſchließen, um in dieſen eingeſunkenen Zügen, dieſer ab⸗ gemagerten Geſtalt zu leſen, daß er an ihr Herz und in ihr Haus zurückgekommen, um ſie nie, nie wieder zu verlaſſen.

In dieſem Augenblicke waren Jahre der Verirrung vergeſſen. Die Mutter fühlte nur, daß ſie ihren Sohn am Herzen hatte, der zwar leidend, aber ein anderer und beſſe⸗ rer Menſch geworden ſei; und er, daß er wieder vor ſeiner Mutter kniete, und daß ſie ihm verziehen habe und ihn noch liebe.

Schluß⸗Kapitel.

Es war im September des Jahres 1830, als wir un⸗ ſere Erzählung ſchloſſen. Denken wir uns für einen Augen⸗ blick den Schleier der Phantaſie über den erſten Tag des Jahres 1838 enthüllt, und blicken wir in daſſelbe Zimmer, welches wir vor zwanzig Jahren bei einer ähnlichen Gelegen⸗