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Erſtes Kapitel.
„Wer in dieſer munteren Geſellſchaft iſt nüchtern genug, um mir in einem Liebeswerke beizuſtehen?“ fragte Mrs. Hamilton eines Nachmittags, als ſie in das Zimmer ihrer Tochter trat, wo Emmeline, ihre jungen Freundinnen Lady Florence und Lady Emily Lyle, und ſelbſt die gewöhnlich ruhige Ellen beſchäftigt waren zu zeichnen und zu ſticken, während die heitere Rede, der harmloſe Scherz und das fröh⸗ liche Lachen wahrhaft unſchuldiger Freude die Luft erfüllte.
„Ein großer Nothfall iſt mir vorgekommen,“ fuhr ſie fort,„in dem Almoſen und andere Unterſtützung nicht aus⸗ reichen; namentlich iſt Kleidung erforderlich. Kann eine von Euch ſich entſchließen, dieſe Kleinigkeiten auf ein paar Tage wegzulegen um ein gutes Werk zu thun? Ich habe ſchon alle Hände in Beſchäftigung geſetzt, und komme nun zu Euch, um weiteren Beiſtand zu haben. An Wen ſoll ich mich wenden?“
„An mich— an mich— an mich!“ riefen alle Stim⸗ men aus freien Stücken, und Alle drängten ſich um ſie, um zu fragen, was ſie brauchte und was für ein Nothfall es ſei, dem ſie ſteuern helfen ſollten.
Mrs. Hamilton, dankbar und erfreut über ihre Bereit⸗ willigkeit, theilte ihnen lächelnd Alles mit, was ſie zu wiſſen wünſchten. Die einfache Erzählung entlockte der harmloſen Gruppe gar manchen Ausruf des Mitleids, und befeſtigte
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