befänden, denn ſie lebten in gleicher Weiſe. Sie kehrten nicht nach England zurück, ſondern wohnten abwechſelnd in Frankreich und Italien. Alphingham, abgeſtumpft für jedes beſſere und ſanftere Gefühl, hätte glücklich ſein können, aber Annie wurde nicht das gleiche Geſchick zu Theil. Bitter bereute ſie, ehe ſie ſtarb, ihre Thorheit und ihre Ungehorſam⸗ keit. Das Gewiſſen regte ſich bisweilen in ihr, wiewohl keine wirkliche Schuld ihr Leben befleckte; ſie betäubte die Stimme deſſelben im Wirbel der Frivolität der vornehmen Welt. Aber die Liebe, die ſie zu Alphingham hegte, war das Werkzeug der Vergeltung. Ihr Gatte vernachläßigte, ver⸗ achtete und verließ ſie häufig. Wer ſich mit der Sünde ver⸗ mählt, wird vergeblich hoffen, ſie in Tugend zu verwandeln. Dies waren allerdings nicht Annie's Gedanken geweſen, als ſie eigenſinnig ihrem Schickſale folgte; ſie kannte den Mann nicht, den ſie zum Gatten gewählt hatte; ſie mißachtete die Mahnungen, die ihr zu Ohren gekommen waren. O unglück⸗ ſelige Täuſchung! ſie fand zu ſpät, daß das Geſchick, welches ihr Wille ihr bereitet, aus ſchmerzlichen Feſſeln beſtand, daß der Pfad, den ſie geſucht hatte, mit Dornen beſetzt war, von denen ſie ſich nicht losreißen konnte. Keine Kinder ſegneten ihre Ehe, und es war beſſer ſo, denn ſie würden nur wenig Glück gefunden haben. Das Schickſal von Lord Alphing⸗ ham's Kinde, der kleinen Agnes, war in ihrer Unſchuld wahrhaft glücklich. Sie lebte viele Jahre, ohne ihren Rang und den Titel ihres Vaters zu kennen, unter dem liebevollen Schutze der Verwandten, der die letzten Worte ihrer Mutter ſie zärtlich empfohlen hatten.
Mr. und Mrs. Hamilton blieben nur noch kurze Zeit in der Stadt. Karolinens Ausſtattung war vollendet, und es fehlten nur noch wenige Wochen bis zu ihrer Verheirathung. Lady Gertrud hatte ſich dem jungen Grafen gewidmet und blieb bei ihm, um die Einrichtung und Verſchönerung ſeines prächtigen Schloſſes Terryn in der Nähe des Tamar auf der Seite von Cornwall zu beaufſichtigen, welches mit dem größten Geſchmack und Glanz ausgeſtattet werden ſollte. Lady Gertrud ſollte bis acht Tage vor der Hochzeit bei ihrem


