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glaubſt alſo nicht, Tante Emmeline, daß meine Unfähigkeit zu beten, ein Beweis war, daß Gott mich gänzlich verlaſſen hatte? Es machte mich noch unglücklicher, denn ich dachte, es ſei ein ſicheres Zeichen, daß ich in der That verloren ſei, er habe mich den Lüſten meines Herzens überlaſſen und würde mich nie wieder lieben oder Mitleid mit mir haben. Selbſt nachdem Du mir völlig verziehen und mir bewieſen hatteſt, daß mein Verſprechen ein mißverſtandenes ſei, das mich nicht binde, fühlte ich immer noch, wie ſchwer es mir wurde, zu beten, und das war ſo ſchmerzlich.“
„Dieſe Unfähigkeit iſt ſehr oft eine blos phyſiſche, meine liebe Ellen. Wir dürfen daher nicht zuviel daraus machen. Unſere Pflicht iſt nur, einfach auszuharren, wie wenig uns auch unſer Gebet befriedigen mag, und unſer feſtes Vertrauen auf unſeren himmliſchen Vater zu ſetzen, daß er uns heilen und wieder ſein Antlitz über uns leuchten laſſen wird, um aus unſern Gebeten Troſt zu ziehen. Deine Unfähigkeit vor Deiner Krankheit war die natürliche Folge von Mr. Ho⸗ ward's ſtrengen Vorſtellungen, die er, wie er mir ſeitdem verſichert, niemals angewendet haben würde, wenn er die mindeſte Idee von der Urſache Deines Schweigens hätte haben können. Du, mein armes Kind, litteſt zu viel unter dem Chaos widerſtrömender Gefühle und Pflichten, als daß Du Dir dies hätteſt denken können, und ich bin gar nicht er⸗ ſtaunt, daß, als Du Dich am meiſten nach dem Troſte des Gebetes und des Vertrauens ſehnteſt, der Gedanke, daß Du durch Dein Schweigen Deine Pflicht gegen mich verletzteſt und ſo Gott ungehorſam wäreſt, Dich völlig daran gehindert haben muß. Seit Deiner ſchweren Krankheit iſt Deine Un⸗ fähigkeit, zu beten, blos eine phyſiſche. Sobald Deine Kraft und Dein Friede zurückgekehrt iſt, wirſt Du die Fähigkeit wierdererlangen und all ihren Troſt erfahren. Verſuche es und ſetze Dein Vertrauen und Deine Liebe auf Gott, ſei nicht übermüthig, wenn Du ernſte Gedanken faſſen und freu⸗ dig beten kannſt, und verzweifle nicht, wenn Dir Beides nicht gelingt. In unſeren gegenwärtigen Verhältniſſen ver⸗ anlaſſen phyſiſche Urſachen ſo oft dieſen Zwieſpalt der Ge⸗


