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könnte. Sie konnte ſich denken, daß Ellen's Liebe für ihre Mutter weniger warm ſein könne als die Edward's, da ſie glaubte, daß eine Mutter nach der Liebe eines Kindes ſtreben müſſe und ſich nicht begnügen dürfe, es ganz der Natur zu überlaſſen. Aber wenn es nicht Liebe war, die Ellens Be⸗ nehmen leitete, ſo war es ſeltſam und faſt unnatürlich, daß ein ſo junges Kind einen ſolchen Begriff von Pflichtgefühl haben ſollte. Aber dies waren nur vorübergehende Gedan⸗ ken. Mochte es koſten, was es wollte, Mrs. Hamilton war entſchloſſen, ihre Nichte kennen zu lernen, wie ſie ihre eignen Kinder kannte.
Indeſſen war die Schwäche der Kranken ſo groß gewor⸗ den, daß ganze Tage vergingen, wo es ihr unmöglich war, zu ſprechen, und ſie blickte dann nach Ellen, die Stunde auf Stunde an ihrem Bett ſaß und allen Bitten Edward's und ſelbſt bisweilen ihrer Tante, mit hinauszugehen und mit ihm zu ſpielen, widerſtand. Und ſie hätte ſie dann gern an's Herz gedrückt und bekannt, daß ſie grauſam, ungerecht gegen ſie geweſen und daß ſie ſie nun faſt ſo ſehr wie Edward liebe, aber ſie war viel zu ſchwach, um mehr zu thun, als nur zu fühlen, und Ellen blieb dieſe Veränderung unbekannt, außer daß dann und wann ihre Mutter, wenn ſie derſelben Nahrung brachte oder ſich über ſie beugte, um ihr die Stirn zu baden, ſie faſt unwillkürlich auf die Wangen küßte und ihr ein lieb⸗ koſendes Wort ſagte; und Ellen wäre ihr dann gern um den Hals gefallen und hätte ihr geſagt, wie ſehr ſie ſie liebte, aber ſie wagte es nicht und eilte dann aus dem Zimmer, um ihre Thränen zu verbergen, anſtatt die Liebkoſungen zu⸗ rückzugeben, und ſie beſtätigte unglücklicherweiſe ſo nur den Gedanken, daß ſie von Natur ein kaltes Herz habe. Selbſt der Troſt, bei ihrer Mutter zu ſitzen, wurde ihr endlich ver⸗ ſagt. Mrs. Fortescue wurde ſo gefährlich krank, daß Mrs. Hamilton es für eine unnöthige Qual für ihre Kinder hielt, Zeugen Deſſen zu ſein, beſonders da ſie ihr nichts helfen konnten, denn ſie kannte ſie nicht. Am Abend des vierten Tages kam ſie ſoweit wieder zu ſich, um mit ihrer Schweſter und Mr. Hamilton das Abendmahl nehmen zu können, und


