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Weiden biegt, langſam den Schleier von meiner Ver⸗ gangenheit hebe, daß wir beide einen Blick hineinthun ſollen... und ich ſehe ſie wieder, die kleine Stube, und ich ſehe in einem Schranke einen weißen Hut und ein Kleid mit rothen Schleifen hängen, und ich höre, wie ſie— die Alte ſagt, die Mutter meiner Mutter: das
das hat ſie getragen am Tage ihres Unglücks! Und ich
erinnere mich eines kleinen Medaillons mit dem Bildniß eines jungen Offiziers, und wie ſie ſagte: dieſes iſt Dein Vater, und er trägt das Kainszeichen des Mordes an ſeiner Stirne, denn er hat Deine Mutter gemordet! Und ich erinnere mich, wie ich oft, als kleines Kind, wenn ſie, die Alte nicht da war, über dem Bilde meines Vaters ſaß und weinte, daß er meine Mutter gemordet haben ſollte. Und wie ich oft an das Grab meiner Mutter ging, wenn die Alte es nicht wußte, und unter dem kleinen Kreuze ſaß, das auf dem Hügel ſteht. Und ich erinnere mich zweier Briefe, welche die Alte niemals
aus ihrem Gewahrſam ließ, und von welchen ſie ſagte,
es ſeien die Zeugniſſe des Mordes und ſie wolle ſie zum Vorſchein bringen, wenn der Tag der Rache gekommen. Eines Tages, ich mochte ungefähr ſieben oder acht Jahre damals ſein, verließen wir die kleine Stadt, in welcher wir bis dahin gelebt. Die Zeit ſei gekommen, ſagte ſie, wo ſie ausziehen müſſe, um den Mann zu ſuchen, der mein Vater ſei. Sie wollte nach London wandern, dort müſſe ſie ihn finden. Sie habe keine Ruhe mehr daheim. Mich ließ ſie bei einer armen, aber braven und ehrlichen Pächterfamilie auf dem Lande, mit welcher ſie verwandt war. Kurz bevor ſie Abſchied von mir nahm, griff ſie


