Teil eines Werkes 
1. Buch (1863)
Entstehung
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ringt, für irgend eine Empfindung geſchickt ſeien. Für ſie giebt es Liebe nur im Boudoir, in roſiger Dämme⸗ rung, unter ſchwer verhauchenden Blumen; rauſchende Gewänder von Atlas oder Sammet, Schleier, Armbän⸗ der, Battiſttücher mit ſtarkem Bonguet, pariſer Hand⸗ ſchuhe und ein Fächer ſind für ſie die Erforderniſſe einer jeden Leidenſchaft. Wir aber ſind der beſcheidenen An⸗ ſicht, daß die ſtürmiſche Wallung des Herzens nicht ganz und gar ein Vorrecht des Standes; und daß es zuweilen auch einer Plebejerſeele geſtattet ſei, um Liebe zu leiden und zu ſterben!

O, mein Herr, mein Freund, ſagte Annie Laurie, welch' eine Seligkeit empfinde ich an dieſem Morgen; wo ich an Deinem Arme ſtehe, wo die Sonne ſcheint und die Wellen des Stromes murmeln!

Geliebtes Mädchen, erwiderte George Meadows, auch mir geht ein neues Daſein auf. Sieh, mein Leben war öde, bis Du mir gegeben. Was ſoll dieſe Folge von Tag auf Tag, dieſes raſtloſe Einerlei von Jahr zu Jahr, wenn es nicht von der ſüßen Sorge um ein geliebtes Weſen unterbrochen wird?.. Nein, wenn es die Liebe nicht iſt, die dieſem kalten Nebeneinander⸗ ſein, wo Jeder für ſich lebt, Wärme, Licht und Freude leiht? Oft hab' ich lange Stunden vor dem Bilde meiner todten Mutter geſeſſen, und in ihr trauriges, lächelndes Angeſicht geſchaut. Eine unendliche Sehnſucht überkam mich dannpnach der Liebe, die im Himmel und im Jenſeits wohnt. Auf Erden giebt es keine! dacht' ich, wenn ich es umſonſt verſucht hatte, mich an meinen Vater oder meine Schweſter zu ſchließen. Zuweilen