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meinen) ſchläft alsdann; und im Geheimniß des Dun⸗ tels, der Sterne, des Mondſcheins ſteigt ein anderes London herauf— ein London der Täuſchung, ein Lon⸗ don des Traumes, voll berauſchender Tänze, voll locken⸗ der Reize, voll ſinnebethörender Orgien. Die letzten Feen erſcheinen. Ihre Blumen, ihre Federn, ihre Dia⸗ manten— bei Tage ſo welk und ſo werthlos; ihre Augen, bei Tage ſo matt und ſo todesmüd, leuchten dann auf und blitzen und glänzen. Ach, ein Blitz— ſo raſch verſprüht! Ach, ein Glanz— ſo bald erloſchen! Ihr Herrſchaft geht von Mitternacht bis zum Morgen⸗ grauen, und ihr Reich iſt der Hahmarket mit ſeinen marmornen Theaterfronten, ſeinen Säulen, welche ſchweigend in die Nacht ragen, ſeinen Paläſten, welche ausgeſtorben ſcheinen, ſeinen türkiſchen Cigarrendivans, ſeinen franzöſiſchen Café's und deutſchen Reſtaurants. Ein ganzes Ausland und ein buntes Sprachgewirr ſteigt aus dem Boden. Was den raſtlos ſchaffenden Gang des Londoner Tages begleitet und kennzeichnet— die Thätigkeit, der Ernſt, die Mühe— das iſt dann Alles verſchwunden; was hier lebt, lebt dem Genuſſe. Was hier athmet, athmet Freude. Was hier wandelt, wan⸗ delt in Licht. Ein kümmerlich Reich! werdet Ihr ſagen; eine kurze Herrlichkeit! Aber nennt mir ein Reich, wel⸗ ches nicht zerfallen, und eine Herrlichkeit, welche nicht zu Ende gehen müßte. Früher, ſpäter— was liegt daran? Wirklichkeit, Täuſchung— wer will das unter⸗ ſcheiden? Das Eine iſt nicht viel beſſer, als das An⸗ dere; und glücklich macht den denkenden Menſchen keine von Beiden.
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