Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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Händen und Ellenbogen zu thun gehabt

brummte Lacy. Es war in der That ein gefährliches Unternehmen von Ew. von Ihnen, hierher zu gehen.

Ich mußte hier ſein, um das Volk zu beobachten, um den Ein⸗ druck zu ſtudiren, den dieſer Auszug der Nonnen auf die Gemüther machte, und um meine ſchlauen Feinde in ihrem eigenen Kriegslager zu beobachten. Denn als die Frau Priorin mich erſuchen ließ, ihr und den Nonnen freien, feierlichen Abzug aus dem Kloſter zu ge⸗ ſtatten, ahnte ich ſogleich, daß ſie irgend einen geheimen Zweck mit dieſer Bitte verbanden. Deshalb verweigerte ich es ihnen auch nicht, damit meine hochmüthigen und mächtigen Feinde nicht etwa vermein⸗ ten, ich hätte Furcht vor ihnen, aber deshalb mußte ich auch mit zur Stelle ſein, um zu ſehen, was ſie beabſichtigten und welchen Plan ſte entworfen. Und ſagen Sie Selbſt, Lacy, war es nicht gut, daß wir da waren? Habe ich nicht dieſen Schwarzröcken eben durch Liſt eine Schlacht abgewonnen? Wollten ſie nicht die gutmüthige, gerührte Menge zu einer Empörung aufreizen? Wiegelten ſie nicht mit ihrer

frommen und vortrefflich geſpielten Komödie mein gutes Volk auf, daß es im Begriff war, ſich wider mich zu empören?

Es iſt wahr, ſagte Lacy, es hatte ganz den Anſchein, als wolle

das Volk zu wildem Zorn ſich aufſtacheln laſſen von dieſer frommen Komödie.

um uns durchzudrängen,

Oh, ich kenne ja meine verſchmitzten Feinde, rief der Kaiſer. Man muß immer auf der Hut vor ihnen, und immer auf einen hinter⸗ liſtigen Angriff gefaßt ſein. Nun, dies Mal habe ich ſie mit einem paar Worten aus dem Felde geſchlagen. Aber ſte werden ſich viel⸗ leicht an einer andern Stelle wieder ſammeln. Gehen wir nach der Nicolai⸗ und nach der Seilergaſſe, wo die zwei andern Clariſſine⸗

rinnen⸗Klöſter auch aufgehoben werden! Sehen wir, was ſich dort begiebt!