Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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unſers Glaubens willen verhöhnen und zurückſetzen, wie ſte es bisher gethan!

Der Kaiſer wird wenig Zeit haben, an uns zu denken, Rahel, ſagte ihr Vater achſelzuckend. Er wird genug zu thun haben, für ſich ſelber zu ſorgen, und ſich die Schaar ſeiner Feinde abzuwehren, die ſich mit jedem Tag vergrößert, weil der Kaiſer ſeinem erſtaunten Volk mit jedem Tag neue Ueberraſchungen bereitet. Er hat damit angefangen, die Aufhebung der Klöſter zu befehlen, und als die Mönche und Nonnen ſich nach-Rom wandten um Hülfe, und als der Papſt an den Kaiſer ſchrieb und befahl, der Kaiſer ſolle die Kirchengüter unangetaſtet laſſen, erklärte der Kaiſer, Rom habe in ſeinen Landen keine Befehle zu ertheilen. Da überkam ein Schrecken das öſterreichiſche Volk, und ſie bebten ſchon ein wenig zurück vor dem Kaiſer, der ſelbſt an den Papſt nicht mehr glaubte.— Aber der Kaiſer ging noch weiter, er gab das Toleranzedict, er erlaubte den Nichtkatholiken, den Proteſtanten und Lutheranern ſich Kirchen zu bauen, frei und offen ihre Religion zu bekennen, er geſtattete ihnen, in den Staatsdienſt zu treten, und verſprach ihnen Anerkennung und Förderung.

Aber in ſeinem Toleranzedict vergaß er doch unſerer, gedachte er nicht der armen Juden!

Er hat's jetzt nachgeholt, Rahel, auch gegen uns will er Toleranz üben, und jetzt geht ein Schrei der Wuth durch alle ſeine chriſtlichen Lande. Wie ich jetzt durch die Straßen Wiens fuhr, ſah ich, wie ſich überall an den Straßenecken, wo die neue Verordnung des Kaiſers angeheftet war, das Volk zuſammenrottete, und mit finſtern Geſichtern und höhniſchem Lachen die ſeltſame Mähr las, daß der Jude auch ein Menſch ſei, der Rechte habe, dem man ſogar jetzt geſtatten wolle für ſein gutes Geld ſich Acker zu pachten, und Landmann zu werden, oder ein Handwerk zu erlernen. Acker zu pachten, mein Kind, be⸗ ſonders uncultivirten Acker, aber zu kaufen, das ſoll uns noch immer nicht verſtattet ſeins*). Und dies Wenige, was uns vergönnt wird, ſchon das ſcheint dieſem chriſtlichen Volk zu viel, ſchon um deſſentwillen nennen ſie den Kaiſer einen Gottesleugner, und ſeine Humanität ſcheint ihnen ein Verbrechen! Laut auf offener Straße

*) Ramshorn: Kaiſer Joſeph II, S. 259.