III. Der jüdiſche Banquier und ſeine Tochter.
Rahel, die ſchöne Tochter des reichen Banquier Eskeles Flies, war allein in dem glänzenden Gemach, das ihr die verſchwenderiſche Liebe ihres Vaters eingerichtet hatte, und das nur das erſte war in einer Reihe von Gemächern, die mit einem Glanz und einem Luxus ausgeſtattet waren, der eines Königs nicht unwürdig geweſen. Rahel aber war ſeit früheſter Jugend an dieſe Pracht gewöhnt, und blickte mit kalten, gleichgültigen Augen auf den Luxus, der ſie umgab. Weder die goldprunkenden Mcubles, noch die reichen orientaliſchen Teppiche, die Luſtres von Bergeryſtall, die koſtbaren Gemälde, die großen Venetianiſchen Spiegel konnten ihr jemals ein Lächeln, ein freudiges Wort abgewinnen, und inmitten aller ihrer Schätze und ihres Luxus ſtellte das ſchöne Mädchen ſelber ſich immer in ſchmuck⸗ loſer Einfachheit dar. Vergebens war es, daß ihr Vater die koſt⸗ barſten Kleiderſtoffe für ſie aus Paris bringen ließ, daß er ihr die ſchönſten Brillanten und Perlen ſchenkte, ihr Bracelets, Ohrgehänge, und allerlei andere Schmuckgegenſtände gebracht, Rahel erſchien immer doch nur im einfachen weißen Gewande, und eine friſche Roſe oder ein lichtes Band war der einzige Schmuck ihrer Toilette.
Und Rahel war bewunderungswürdig in dieſer einfachen Toilette; ihre Jugend, ihre Schönheit, ihre Grazie, das war der Schmuck, den ſie angelegt, alle Brillanten überſtrahlte ihr glühendes feuriges Auge, und ſchöner als alle Perlen ſchimmerten die zwei Reihen weißer Zähne bei ihrem ſüßen Kinderlächeln zwiſchen ihren Purpurlippen hervor. Wenn ſie in ihrem leichten weißen Gewande durch die Reihe der glänzenden Prunkſäle ihres Vaters daher ſchritt, ſo war ſie immer doch die Königin und Herrin derſelben, und eine unnennbare Hoheit
und Unſchuld umgab ihre hohe ſchlanke Geſtalt.
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Rahel, wie geſagt, war allein in ihrem Boudoir. Sie lag an


