31 will mich aus allen dieſen Laſtern und dieſer Verderbtheit retten in die Einſamkeit des Landlebens, oder in das Schweigen des Kloſters. Wie eine Sonne will ich ſcheinen und freiwillig erlöſchen.
Ew. Durchlaucht belieben zu ſcherzen, ſagte Cobenzl lächelnd, die Macht und Größe iſt eine Götterſpeiſe, davon man nie überdrüſſig wird, und die man nie freiwillig aufgiebt.
Ich bin ihrer überdrüſſig, ſagte Potemkin müde, und freiwillig gebe ich ſie auf, aber gezwungen niemals! So lange ich noch Feinde habe, die mich ſtürzen könnten bleibe ich, wenn es die nicht mehr für mich giebt, dann kann ich gehen, dann—
Ein lautes Klopfen an der Thür unterbrach ihn, und einer der Hausoffiziere Potemkin's trat eilig herein.
Was willſt Du ſchon wieder, und was wagſt Du hier ein⸗ zutreten? ſchrie Potemkin, heftig mit dem Fuß ſtampfend.
Verzeihung, Durchlaucht. Der Kammerdiener des Kaiſers von Oeſterreich bringt einen eigenhändigen Brief des Kaiſers an den Herrn Grafen Cobenzl, und hat Befehl ihn ſogleich in Gegenwart Ew. Durchlaucht abzugeben.
Ein ſeltſamer Befehl in der That, rief Potemkin, aber wir wollen ihm genügen. Laß den Kammerdiener des Kaiſers hier eintreten!
Der Offizier ſchlug die Portiere zurück und Günther, der ver⸗ traute Kammerdiener Joſeph's, trat ein. Den Fürſten mit einer tiefen Verbeugung grüßend, ſchritt er gerade auf den Geſandten hin, und überreichte ihm einen Brief.
Ein Handſchreiben Sr. Majeſtät, ſagte Günther laut. Excellenz möchten daſſelbe ſogleich leſen. Es bedarf keiner Antwort, es genügt, daß ich es Ew. Excellenz ſelbſt übergeben habe.
Und ſich abermals tief verneigend, näherte ſich Günther rück⸗ wärts gehend der Thür, und verſchwand hinter der Portiere.
Ew. Durchlaucht erlauben, daß ich in Ihrer Gegenwart leſe? fragte Graf Cobenzl.
Leſen Sie, leſen Sie! Ohne Zweifel iſt es die Abſicht des Kaiſers, daß Sie den Brief in meiner Gegenwart leſen, erfüllen Sie alſo dieſe Abſicht!
Graf Cobenzl öffnete haſtig das Couvert, und zog deſſen In⸗


