Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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Proben Ihrer Verdienſte, Ihres Heldenmuthes, Ihrer Staatsklugheit und Weisheit. Es wäre eine zu weit getriebene Beſcheidenheit, wenn Ew. Durchlaucht nicht alle dieſe koſtbaren Proben der bewundernden Welt zeigen wollte, und wenn dieſe dann den großen Orden meines Herrn, des Königs von Preußen, auf Ihrer Bruſt vermiſſen ſollte.

Nun denn, um Sr. Majeſtät dem König von Preußen gefällig zu ſein, werde ich ihn tragen, und ſage Sr. Majeſtät meinen herz⸗ lichſten Dank für ſeinen Orden. Sie haben mir weiter nichts zu ſagen, Herr Graf?

Graf Görtz warf einen langen, fragenden Blick in dem Salon umher, und ließ denſelben beſonders auf den ſchweren Sammetvor⸗ hängen der Fenſter verweilen.

Ich hätte allerdings Ew. Durchlaucht noch eine geheime Mit⸗ theilung zu machen, ſagte er, nur müßte ich wiſſen und überzeugt ſein, daß Niemand uns belauſchen könnte.

Ah, Sie fürchten die Vorhänge dort, rief Potemkin, der den

Blicken des Grafen gefolgt war. Unterſuchen Sie dieſelben doch und überzeugen Sie Sich, daß Niemand dort verborgen iſt.

Graf Görtz verneigte ſich. Die Verſicherung Eurer Durchlaucht genügt vollkommen, ſagte er, ſitzen bleibend. Erlauben mir alſo Ew. Durchlaucht, zu Ihnen ein offenes und zutrauliches Wort zu reden.

Im Namen Ihres Monarchen? fragte Potemkin, indem er gleich⸗ gültig und zerſtreut mit ſeinen Ordenskreuzen ſpielte.

Im Namen meines Monarchen! Ew. Durchlaucht wiſſen, daß der auf acht Jahre geſchloſſene Allianztraktat zwiſchen Rußland und Preußen ſich jetzt ſeinem Ende naht.

Wirklich, thut er das? fragte Potemkin nachläſſig. Ich wußte es nicht, Herr Graf, denn ich bekümmere mich wenig um dieſe kleinen Dinge der Politik.

Ew. Durchlaucht haben mehr das große Ganze im Auge und leiten das mit dem kühnen Auge des Feldherrn, dem nichts entgeht. Aber dieſer Allianzvertrag mit Rußland gehört für Preußen zu den großen Dingen der Politik, und der König wünſcht nichts ſehnlicher, als die Erneuerung deſſelben. Er weiß ſehr wohl, wie gefährlich für

4 8 ſeine Abſichten das Erſcheinen des Kaiſers Joſeph am hieſigen Hofe