Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 2. Band (1857)
Entstehung
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I.

Fürſt Potemkin.

Fürſt Potemkin hatte ſich ſo eben erſt von ſeinem Lager erhoben, und begab ſich langſamen, ſchweren Schrittes in ſein Cabinet. Zwei Pagen in goldſtrotzenden Anzügen flogen vor ihm her, und riſſen, tief bis zur Erde ſich neigend, vor ihm die Thüren auf, zwei andere Pagen gingen hinter ihm, und trugen die lange Schleppe des ſammetnen, mit Gold und Juwelen beſetzten Schlafrocks, der langhin wallte hinter der hohen coloſſalen Geſtalt des Fürſten. Hinter den Pagen folgten vier Kammerdiener des Fürſten, ſein Dejeuner und ſeine türkiſche Tabakspfeife tragend.

Potemkin betrat ſein Cabinet. Schweigend und mit düſterm Geſicht ließ er ſich auf die mit den ſchönſten Caſchemir⸗Shawls be⸗ deckte Ottomane niedergleiten, und nahm aus den Händen der vor ihm knieenden Pagen die Taſſe Chocolade entgegen, die ſie auf goldenem mit Perlen beſetztem Teller ihm darreichten. Dann aber als dünke ihn dieſe Arbeit zu ſchwer, ließ er die Taſſe wieder ſinken, und ſein Haupt rückwärts lehnend an die Kiſſen, ſagte er müde: eingießen!

Sofort erhob ſich einer der Pagen, und da der Fürſt geruhte, den Mund zu öffnen, näherte er die ſpitz auslaufende, wie eine pom⸗ pejaniſche Lampe geſtaltete Taſſe dem Munde des Fürſten, und ließ langſam die Chocolade in den Mund des Fürſten träufeln. Die Pagen und Kammerdiener und die ſechs Officiere des Fürſten, welche in ſeinem Cabinet ſein Kommen erwartet hatten, ſtanden, während der Fürſt ſein Frühſtück einſog, in ſteifer, militäriſcher Haltung ehrerbietig und ſſchweigſam da, die Blicke mit einem Ausdruck unausſprechlicher Ehr⸗

aiſer Zoſeph. 3. Abth. II. 1 5