Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 4. Band (1857)
Entstehung
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rief ſie noch einmal, und ein Reiter ſprengte heran, er hielt gerade vor dem Kaiſer an und ſchwang ſich haſtig vom Pferd.

Hier, Majeſtät, mein Pferd! Beſteigen Sie es! Es iſt ein ſicheres Thier!

Du kennſt mich? fragte der Kaiſer.

Ja, Majeſtät, ich bin ja ein Reitknecht von der Suite Eurer Majeſtät. Wollen Sie die Gnade haben, mein Pferd zu beſteigen.

Aber Dus fragte der Kaiſer, indem er ſich in den Sattel ſchwang. Was wird aus Dir werden?

Ich werde Ew. Majeſtät begleiten, ſagte der Jockey frohen Muthes. Die Pferde laufen heute Nacht wie toll herum, wir werden ſchon einem Thier begegnen, und ich werd's mir einfangen, und wenn's dann Ew. Majeſtät gefällig iſt, reiten wir nach Karanſebes. Der Mond ſcheint ja jetzt wieder hell, und ich glaube, ich werde den Weg ſchon finden!

Ich habe meinen Weg ſchon gefunden, flüſterte der Kaiſer leiſe vor ſich hin, als er langſam dahin ritt durch die ſchweigende Nacht, Gott hat mir meinen Weg gezeigt, als er mir Hülfe ſandte in dieſer einſamen dunklen Stunde. Das Leben hat mich wieder zu ſich ge⸗ rufen, und ich will es muthig und geduldig tragen, ſo lange es Gott gefällt!

Eben ſprengte in wildem Lauf ein herrenloſes Pferd daher; der Jockey faßte es mit kräftiger Hand, und brachte es zum Stehen, und ſchwang ſich mit lautem Jauchzen in den Sattel.

Jetzt, Herr Kaiſer, jetzt wollen wir fröhlich davon jagen, rief er jubelnd. Da ſind wir auf dem rechten Weg, und in einer Stunde werden wir in Karanſebes ſein!

In Karanſebes, ſagte der Kaiſer gedankenvoll vor ſich hin. Cara mihi sedes! ſo hat Ovid geſungen, und aus der Ode iſt eine Stadt geworden*) ein Denkmal ſeines Ruhmes und der Stadt, der ſeine Ode den Namen gegeben, da iſt das Grab Ovid's. In Karanſebes iſt er geſtorben, und jetzt kommt ein verirrter einſamer Kaiſer zu dem Grabe des Dichters, um bei ihm ein wenig Troſt und Schutz zu ſuchen, und auszuruhen auf ſeiner dornenvollen Pilgerfahrt in dem

*) Groß⸗ Hoffinger III. S. 471.