Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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eilte, Wuth im Herzen, der Thür zu. Der Kaiſer folgte ihr und ſagte laut: Der Nächſtfolgende trete ein!

Sofort erſchien ein junger Mann in der reichgeſtickten Uniform eines Miniſterialrathes auf der Schwelle der Thür und verneigte ſich tief und der Etiquette gemäß vor dem Kaiſer.

Keine Ceremonien, ſagte Joſeph unwillig. Wir ſind hier nicht im Audienzſaal, ſondern im Controlorgang, die Formen ſind hier. überflüſſig. Schnell zur Sache! Sie ſind, wie ich an Ihrer Uniform ſehe, Rath im auswärtigen Departememt?

Ja, Majeſtät, ich bin Rath geworden durch die Gnade der hoch⸗ ſeligen Kaiſerin, und jetzt droht man, mich, gemäß der kaiſerlichen Verordnung, abſetzen zu wollen!

Wie heißen Sie?

Ich heiße Bertram!

Ach, ich habe dieſen Namen auf der Conduitenliſte, welche mir geſtern über die verfloſſenen ſechs Monate zuging, geleſen. Ihre Kenntniſſe ſind als nicht genügend befunden nach den Verordnungen, die ich darüber gegeben.

Ich bin aber angeſtellt worden, Sire, bevor dieſe Verordnungen exiſtirten. Ihre Majeſtät die hochſelige Kaiſerin verlieh mir mein Raths⸗Patent in Anſehung der großen Verdienſte meines ſeligen Großvaters, der—

Bei mir, unterbrach ihn der Kaiſer, bei mir bedürfen Sie zu Ihrer Empfehlung der eigenen Verdienſte. Sind Sie Ihrer Mutter⸗ ſprache mächtig?

Geruhen Ew. Majeſtät zu bedenken, daß ich ja in Wien geboren und erzogen bin!

Das iſt nicht genügend, denn meine Wiener ſind der deutſchen

Sprache nicht allzu ſehr mächtig. Finden Sie an dem jetzt herrſchen⸗ den Styl in den Kanzleien nichts zu tadeln?

Nicht das geringſte, Sire, es iſt ja der alte probate Stylus Curiae.

Ja, rief der Kaiſer ironiſch, der alte probate Stylus Curiae iſt's noch immer, und ſo lange wir den bewahren, wird auch der Staat in der papiernen Verfaſſung bleiben, in der er jetzt ſchwebt, in der