und ſo wird der Gang der Maſchine gehemmt. Außerdem ſind die Quellen des Staats auch nicht ſo groß, als man meint. Ich habe unglaubliche Schulden vorgefunden, und nur mit der äußerſten Oeko⸗ nomie kann ich die Ausgaben meines Staats, die Unterhaltung meiner Armee beſtreiten.*) Dafür nennt mich das Volk jetzt einen Geizhals; die großmüthige Verſchwendung Maria Thereſia's legt mir die Pflicht auf, gut hauszuhalten und mich nach neuen Einnahmequellen für den Staat umzuſchauen! Um meinem Lande keine neuen Schulden auf— zubürden, mußte ich darauf bedacht ſein, mir auf außerordentliche Weiſe Geldmittel zu ſchaffen!
Und dieſe Geldmittel fanden Ew. Majeſtät unglücklicherweiſe in den Klöſtern und Wallfahrtsorten, ſagte Günther ſeufzend.
Unglücklicherweiſe? fragte Joſeph. Glücklicherweiſe wollen Sie ſagen! Dieſe todten Schätze der Klöſter und Wallfahrtsorte haben mein Land und mein Volk vor großem Unheil bewahrt, denn ſie haben uns Geld gegeben, ohne Schulden zu machen. Hat uns nicht Mariataferl allein dreißig Centner Gold und Silber geliefert, die jetzt als gute ausgeprägte Millionen in die Religionskaſſe gefloſſen ſind, und den todten Rumpf, in welchen Aberglaube, Dummheit und Bigotterie ſeine Schätze verſenkte, in einen lebendigen, friſchen Quell des Volkswohlſtandes verwandeln werden? Oh, aus dieſer Religions⸗ kaſſe, welche alle Schätze der aufgehobenen Klöſter und Kirchen auf⸗ nimmt, ſoll meinem Lande Heil und Segen erblühen, und Gott wird es mit Wohlgefallen ſehen, wie die Opfer des todten Aberglaubens ſich nun verklären ſollen zu Opfern der lebendigen Liebe, und er wird ſeinen Segen geben zu dem Werk des Lichts! Freilich werden die Helden der Finſterniß, die Mönche, und Prieſter in ihrer bekannten chriſtlichen Liebe und Duldſamkeit ihren Fluch wider mich ſchleudern, freilich wird es ein großes Geſchrei geben!
Ein Geſchrei, wie wenn ein neuer Hercules den Vorhof des Tartarus beſtürmt! ſagte Günther lächelnd.
Sie haben Recht, rief der Kaiſer glühend, es iſt eine Hercules⸗ Arbeit, aber mit Gottes Segen wird ſte gelingen. Mögen die Mönche ſchreien, mögen ſie mich einen Abtrünnigen und Ungläubigen ſchelten,
*) Des Kaiſers eigene Worte. Siehe Hübner I, S. 198.
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