Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 3. Band (1857)
Entstehung
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was die Glocke geſchlagen hat, würden ſie mir wieder ein großes Kreuz aufrichten, das nur die Zeit, welche geweſen iſt, wieder herauf beſchwören möchte. Es wäre ein grauſamer Hohn des Schickſals, wenn ich ſterben und vor meinen ſterbenden Sinnen das Zuſammen⸗ fallen meines Gebäudes, das ich nicht vollenden konnte, höxen müßte! Nein, nein, ich will leben, ich muß leben, bis mein Tagewerk voll⸗ bracht iſt!

Deshalb alſo, weil Ew. Majeſtät eine ſo heilige Miſſion erhalten haben, gerade deshalb müſſen Sie Sich ſchonen, Sich Erheiterung gönnen, Sire, und nicht der Arbeit alle Ihre Zeit und Ihre Freuden zum Opfer bringen! Ew. Majeſtät leben aber jetzt nur noch der Arbeit und den Geſchäften!

Und Sie meinen, ich ſollte, wie der Weiſe von Sansſouci oder die Semiramis des Nordens darauf bedacht ſein, mir noch einen andern Ruhm zu erwerben, als den, ein guter Geſchäftsführer meines Volkes zu ſein? rief Joſeph lächelad. Es kränkt Sie, nicht wahr, daß Sie einem Fürſten Ihre Dienſte widmen, der nur Acten zu ſchreiben, Reſcripte zu erlaſſen und Geſetze zu geben verſteht, und Apoll und die neun Muſen niemals in ſeine Studirſtube ladet!

Nun, wenn auch nicht alle neun, Sire, ſo könnten Sie doch einige der Muſen bei Sich dulden, wie Ew. Majeſtät es ſonſt ge⸗ than. Aber auch die Conzerte haben aufgehört und das Violoncell ſteht ſeit Monaten ſchon unberührt in ſeiner Ecke!

Und nun können meine Feinde ſagen, ich äffe den König von Preußen nach, und da er nicht mehr die Flöte blaſe, wolle ich nicht mmaehr das Violoncell ſpielen. Nein, nein, mein Freund, ich werde keine der Muſen mehr in mein Studirzimmer einladen! Ein Fürſt hat wahrlich andere Dinge zu thun, als nach ſolcher leichtfertigen Bekanntſchaft zu ſtreben, denn er iſt nicht da, um ſich zu amüſiren, ſondern um zu arbeiten! Ich begreife deshalb auch nicht, wie einige Monarchen auf die kleinliche Begierde gerathen ſind, ſich literariſche Vorzüge erwerben zu wollen, eine Art von Größe darin zu ſuchen, wenn man Verſe macht, oder einen Riß zum Theater zeichnet, der ein Pendant für die Werke des Palladio ſein ſoll. Es ſollen die Könige freilich im Reich der Wiſſenſchaften nicht ganz unbekannt ſein, aber

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