Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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zur ꝛder⸗ bloß

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kleinen deutſchen Fürſten in banger Sorge um ihre eigene Zukunft jammerten und klagten über dieſe„Gewaltthat“ Oeſterreichs, ſich ein Land anzueignen, auf das es gar keine Rechte habe, erſchienen Flug⸗ ſchriften über Flugſchriften der öſterreichiſchen Juriſten, in denen das Recht Oeſterreichs klar und deutlich erwieſen ward. Aber dieſen Flug⸗ ſchriften antworteten die Juriſten aller übrigen deutſchen Staaten und Länder mit eben ſo vielen Flugſchriften, in denen eben ſo klar erwieſen ward, daß Oeſterreich nicht die mindeſten Anſprüche auf Baiern machen könne, und daß die Beſitzergreifung Baierns eine Gewaltthat ſei, die alle deutſchen Lande bedrohe, eine freche Verhöhnung des deutſchen Rechts und der deutſchen Verfaſſung. Ein wüthender Federkrieg entſpann ſich jetzt auf beiden Seiten, und in kurzer Zeit ward Deutſch⸗ land von mehr als dreihundert Büchern überſchwemmt, welche die bairiſche Erbfolge betrafen und Oeſterreich entweder vertheidigten, oder angriffen*). Aber dieſer Streit, den Oeſterreich wie eine Bombe mitten in das deutſche Reich hineinſchleuderte, hatte wenigſtens doch das Gute, daß das deutſche Volk ſich auf einmal wieder ſeines Deutſch⸗ thums bewußt ward, und in ſich eine Art von deutſchem Patriotismus aufdämmern fühlte. Der Baier, der Heſſe, der Würtemberger, der Hannoveraner und alle die übrigen deutſchen Stämme, ſie vergaßen auf einen Moment ihren Sonderpatriotismus und fühlten ſich als die Söhne eines Vaterlandes, und jammerten nnd klagten laut, daß dieſes Vaterland von Oeſterreich in ſeinen heiligſten Rechten beleidigt, daß die deutſche Verfaſſung verletzt und beſchimpft worden. Und die Pfaffen und Jeſuiten, die unverſöhnlichen Feinde Kaiſer Joſeph's, verſtanden es, dieſen Patriotismus zu einer höheren Gluth anzufachen, und ihn zu ihren Zwecken zu benutzen. In ſeltſamer Verdrehung aller Begriffe vereinigten ſich auf einmal Pfaffenthum, Jeſuitismus und Sektenweſen mit dem Begriff Deutſchlands und der deutſchen Freiheit, und indem die Prieſter, die Dunkelmänner und die kleinen deutſchen despotiſchen Fürſten Joſeph's kühne vorurtheilsloſe Geſinnung kannten und fürchteten, verſchanzten ſie ſich hinter dem heiligen Wort des deutſchen Patriotismus, um wider Joſeph zu kämpfen, den die deutſchen Fürſten einen Neuerer nannten, weil ſer es verſucht hatte,

*) Schloſſer's Geſchichte des achtzehnten Jahrhunderts. Th. IV. S. 363.