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Der Fürſt richtete ſeine großen Augen mit einem ſeltſam warnen⸗ den Ausdruck auf das erregte Antlitz des Kaiſers und ſchüttelte leiſe mißbilligend das Haupt.
Der König von Preußen iſt aber nicht mehr der Held, der Feld⸗ herr, der er geweſen, ſagte Kaunitz langſam, er bangt ſehr für die Lorbeeren, die von ſeinem gebeugten Haupte herabſinken könnten. Er kennt und fürchtet die Energie des Kaiſers Joſeph und wird durch⸗ aus nicht geneigt ſein, ſeinen Ruhm in die Gefahr zu bringen, von dem Kaiſer beſiegt zu werden. Er findet es bequemer, auf ſeinen Lorbeeren zu ruhen, die Flöte zu blaſen, ſchlechte Gedichte zu machen und den Schmeichelreden ſeiner philoſophiſchen Freunde zuzuhören, bequemer, als in das Feld zu ziehen und zu kämpfen für eine Sache, die ihn gar nichts angeht. Denn was, ich frage Ew. Majeſtät, was kümmert es den König von Preußen, ob Oeſterreich ſich im Einver⸗ ſtändniß mit dem einzigen berechtigten Erben Baierns zum Herrſcher Baierns mache? Mit welchem Recht ſollte er es wagen, in dieſer Sache gegen uns aufzutreten, wenn Niemand da iſt, der ihn um Hilfe anruft? Er wird geſchehen laſſen, was er nicht ändern kann, und was zu ändern er überdies kein Recht hat. Wir haben unſere Urkunden und Documente, welche uns Baiern als Erbe geben, und der König von Preußen wird ſie willig anerkennen, wenn wir auch ſeine Urkunden und Documente, welche ihm Baireuth und Anspach als Erbe geben, dafür anerkennen wollen. Der König von Preußen war ein Held, jetzt iſt er nur noch ein alter Handelsmann und Krämer, welcher mit Taback handelt und nach Vermehrung ſeines Beſitzes trachtet.
Maria Thereſta ſchüttelte unwillig ihr Haupt. Er weiß wohl, Herr Fürſt, ſagte ſie haſtig, daß ich den König nimmer geliebt, viel⸗ mehr ihm immer in meinem Herzen gegrollt habe. Er iſt ein böſer Mann und hat mir viel Leids gethan, aber kann's doch nit zugeben, daß Er ſo geringſchätzend und verachtungsvoll von ihm ſpricht; man wird nit größer dadurch, daß man ſeine Feinde kleiner hinſtellt, und es iſt allzeit beſſer, gegen große Feinde zu kämpfen, als gegen ſolche, die man verachten kann!
Der König von Preußen iſt ein Held, ein Weiſer und ein Herr⸗ ſcher, rief der Kaiſer begeiſtert. Gönnen mir alſo Ew. Majeſtät das Kaiſer Joſeph. 3, Abth. I. 2


