Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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nug, um vor Fremden mein Herz aufzudecken, und ſie meine Gedanken ſehen zu laſſen. Ich habe Sie in Paris geſehen, Sire, und ich habe Sie beobachtet im Theater, als das Publikum Ihnen huldigte. Ich habe auf Ihrer Stirn große Gedanken, und in Ihren Augen ein war⸗ mes, edles Herz geleſen, und darum habe ich zu Ihnen geſprochen, wie ein warmer, aufrichtiger Freund.

Und ſo laſſen Sie mich jetzt auch zu Ihnen ſprechen, ſagte Jo⸗ ſeph, dem Philoſophen ſeine Hand darreichend. Gönnen Sie es mir, Ihnen nützlich ſein zu können! Sie ſind hier in einer Umgebung und einer Lage, die ſich nicht für den Dichter und Philoſophen geziemt, wel⸗ chen gauz Europa liebt und bewundert. Sie verlieren Ihre Zeit und Ihre Kräfte mit elenden Brod⸗Arbeiten, während Sie es der Menſch⸗ heit ſchuldig wären, ihr ferner mit dem Licht und der Kraft Ihres Geiſtes zu nützen und zu dienen, wie Sie es ſonſt gethan. Gönnen Sie mir die Freude, Sie Ihren Studien, Ihren Phantaſien und Dich⸗ tungen zurückzugeben, indem ich Ihre Exiſtenz ſichere, und Sie vor Noth und Mangel bewahre! Sagen Sie mir, nicht mir dem Kaiſer, ſondern mir dem Freunde, was kann ich für Sie thun?

Was Sie für mich thun können? fragte Rouſſeau leiſe. Nichts! Ich bin ein alter Mann mit geknickten Wünſchen, mit vernichteten Hoff⸗ nungen, mit zerſtörten Illuſionen. Ich bedarf nichts mehr, als ein wenig Sonnenſchein, um meinen kahlen Scheitel zu wärmen, und ein Stück Brod, um meinen Hunger zu ſtillen. Das bedarf ich für mich und meine Frau, weiter nichts, und das muß ich mir mit meiner eigenen Arbeit und Kraft verdienen können, dafür darf ich Niemand auf der Welt dankbar und verpflichtet ſein, denn einen Sonnenſtrahl und ein Stück Brod zu haben, iſt das natürliche Recht des Menſchen, und es wäre zerſchmetternd, wenn der Menſch auch das nicht einmal von ſich ſelber haben könnte!

So kann ich alſo nichts für Sie thun, fragte der Kaiſer ſchmerz⸗ lich. So wollen Sie mir alſo nicht die Freude gönnen, Ihnen Der Kaiſer verſtummte, denn draußen vernahm man jetzt eine laute, kreiſchende Stimme, welche ſagte: warten Sie nur hier! Ich werd' ſogleich hinauf gehen, und die Noten holen. Sie ſind fertig und ſie müſſen fertig ſein, denn wir brauchen das Geld! Zählen Sie