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zunehmen. Niemand ſollte bei demſelben gegenwärtig ſein, als eben das Königspaar, der Kaiſer und die beiden königlichen Prinzen mit ihren Gemahlinnen. Aber wie geſagt, Marie Antoinette hatte es ſchon oft bereut, dieſe vertraulichen Diners eingeführt zu haben, und ſie, welche ſonſt die großen, öffentlichen Diners ſo ſehr gehaßt hatte, würde jetzt ſehr gern bereit geweſen ſein, täglich vor dem Volke und umgeben von dem Glanze des großen Hof⸗Ceremonielles zu ſpeiſen, weil dann dadurch dieſe vertraulichen und ungezwungenen Unterhaltungen, mit denen der Kaiſer ſie ängſtigte, verhindert, und weil alsdann auch die Sarcasmen des Grafen von Provence und das verdrießliche Geſicht des Königs weniger bemerkt worden wären.
Indeß war es unmöglich dieſe neue Mode, welche Marie Antoinette unter dem Widerſtande der großen Hofchargen eingeführt hatte, wieder zurückzunehmen, denn Jedermann würde das für ein Zugeſtändniß der Königin an ihren Hof gehalten haben, und Marie Antoinette mußte ſich daher ſchon ihren eigenen Anordnungen fügen. Nur zögerte ſie immer ſo lange als möglich ſich in den Speiſeſaal zu verfügen, und erſt, wenn man ihr geſagt, daß auch der Kaiſer ſchon angelangt ſei, verließ Marie Antoinette ihre Gemächer und begab ſich dorthin.
Heut hatte ſie ungewöhnlich lange gezögert, und der König, der nach der Promenade einen lebhaften Appetit empfand, fühlte ſich ver⸗ letzt von dieſem langen Wartenlaſſen der Königin. Er ging ihr daher, als ſie jetzt, gefolgt von ihren Damen, eintrat, mit verdrießlicher Miene entgegen, und neigte nur ein wenig zur Begrüßung ſein Haupt, indem er ihr die Hand reichte, um ſie zur Tafel zu führen.
Die Königin indeß ſchien dieſe Verſtimmung des Königs gar nicht zu bemerken, ein künſtliches Lächeln ſtrahlte von ihrem Antlitz und ver⸗ lieh demſelben einen neuen Liebreiz.
Sie haben uns warten laſſen, Madame, ſagte der König, aber Ihre Erſcheinung belohnt uns doch jetzt für dieſes Warten.
Die Königin lächelte, denn ſie hatte das volle Bewußtſein, daß ſie heute wirklich ſchön ſei, und daß dieſe neue Friſur, welche Léonard heut zum erſten Male gebaut hatte, und welche ein Parterre von allerlei Gemüſen und Früchten darſtellte, rings umgeben von einem hohen Gitter, das aus den herrlichſten Straußfedern gebildet war, daß dieſe
Kaiſer Joſeph. 2. Abth. IV. 9


