Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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eines Spaziergangs gewähren. Ich denke, es iſt hinreichend, in den Staatsgemächern unſere Fürſtenherrlichkeit zu produciren, und in Gottes herrlicher Natur dürfen wir uns wohl erlauben, freie und einfache Menſchen zu ſein, denn wir werden doch immer überragt werden von der Erhabenheit und Pracht der Natur.

Sie wünſchen alſo, daß wir ohne meine gewöhnliche Begleitung unſere Promenade machen? fragte Ludwig.

Ich bitte, daß Ew. Majeſtät mir erlauben, mich Ihnen zum Garde⸗ hauptmann anzubieten. Ich gelobe Ew. Majeſtät, daß ich Sie vor jedem Unfall als Ihr getreuer Diener behüten will, und dann haben wir ja doch dieſe glänzende Suite von Cavalieren, welche uns folgen und uns bei jeder Gefahr hülfreich ſein werden!

Der König antwortete ihm nicht, ſondern wandte ſich an den erſten Offizier der Schweizergarden. Mein Herr, ſagte er, wir wollen heute ohne Ihre Begleitung unſere Promenade machen. Laſſen Sie daher Ihre Mannſchaft immerhin abtreten!

Der Offizier ſtarrte den König an, als habe dieſer in einer ihm gänzlich fremden Sprache geredet, und vergaß in ſeinem Erſtaunen ſo⸗ gar, vor dem vorübergehenden hohen Königspaare den gewöhnlichen militairiſchen Salut zu machen.

An dem Gitter des Gartens ſalutirten die zwölf Mann Leibgarde, und waren im Begriff unmittelbar hinter dem König her, wie es die Etiquette erfordert, das Gitter zu durchſchreiten.

Der König winkte abwehrend mit der Hand. Bleiben Sie zurück. Wir wollen allein promeniren!

Und die Leibgardiſten ſtarrten, gleich den Schweizern, den Fürſten nach, wie ſie Arm in Arm, nur gefolgt von ihren Cavalieren, die große Allee hinabgingen. Etwas Unerhörtes, nie Erlebtes war geſchehen! Der König von Frankreich ging in Verſailles ſpazieren ohne ſeine Leib⸗ wache und ohne ſeine hundert Schweizer!*)

*) Hübner, I. S. 148.

Gefol Privi Köni öffen nach