Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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rief Graf Roſenberg glühend, und er wird die Fürſten daran erinnern, daß ſie ſeine Vaſallen ſind und daß er allein der Herr und Kaiſer von Deutſchland iſt!

Um die Fürſten das zu lehren, Freund, bedürfte es einer blutigen Lehre, ſagte der Kaiſer haſtig. Schauen Sie einmal hinter Sich, Ro⸗ ſenberg, wenden Sie Ihr Auge hinüber nach jener Seite des Rheins. Sehen Sie, da drüben liegt Frankreich! Das heißt, ein Reich ſo groß wie Deutſchland, ebenſo reich bevölkert, uns weit vorgeſchritten an Cul⸗ tur und Bildung, uns beherrſchend mit ſeinen Capricen und ſeiner Induſtrie, Frankreich, das ſo groß, ſo mächtig, ſo einig iſt, weil es Eins iſt in ſich ſelber, weil es nur Einen Herrn hat, den König, und weil alle dieſe Millionen Menſchen nur Ein Vaterland haben, Frankreich!

Und einſt erging es doch Frankreich auch, wie es Deutſchland noch jetzt ergeht, ſagte der Graf lächelnd. Einſt herrſchten ſo viele Souve⸗ raine in Frankreich, wie jetzt in Deutſchland. Da war nicht ein Einiges Frankreich, ſondern da war auch das zerſtückelte, zerfürſtete, ſich befehdende und bekriegende Frankreich. Da war die Normandie, die Bretagne, die Provence, da war Languedoc, Bourgogne und Franche⸗Comté, und jedes dieſer franzöſiſchen Lande hatte ſeinen eigenen ſouverainen Fürſten, welcher ſich ſelten und dann nur mit Widerwillen erinnerte, daß er Va⸗ ſall ſei des Königs von Frankreich und daß dieſes Frankreich weit hin⸗ aus reiche über die Grenzen ſeines kleinen Fürſtenthums. Und wo ſind dieſe Herzöge und Fürſten jetzt? Sie ſind alle verweht und zu Aſche verfallen, ihre ſouverainen Fürſtenthümer ſind jetzt nur noch Pro⸗ vinzen von Frankreich, und über alle Länder und Provinzen von Frank⸗ reich herrſcht nur Ein Wille und Ein Scepter, dem Alle ſich beugen, das iſt der Scepter des Königs von Frankreich.— Was für Frank⸗ reich möglich war, Herr Graf von Falkenſtein, ſollte das für Deutſch⸗ land unerreichbar bleiben?

Der Kaiſer legte lächelnd ſeine Hand auf des Grafen Schulter, und heftete ſeine großen flammenden Augen feſt auf ſein Angeſicht. Haſt in meiner Seele geleſen, Freund? fragte er. Weißt, was für glühende und ſtüxmiſche Wünſche da Innen ſich bewegen? Wünſche, welchen ich kaum Worte zu geben wage, und welche mein Bruder, der König von Preußen, ſehr geſetzwidrig finden würde, obwohl er es für