Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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Das Hotel ſtrahlte daher heute wie immer in ſchönſter Tageshelle, als der Wagen Leonorens in den Vorhof einfuhr und vor dem großen Portal anhielt. Sechs Lakaien in ihren Livreen von Silberbrokat ſtan⸗ den zu beiden Seiten des Portals, und leuchteten mit Wachsfackeln ihrer Herrin, die ſoeben langſam und hoheitsvoll den Wagen verließ, und in die Vorhalle des Hauſes eintrat. Auch hier, wie im ganzen Hötel, herrſchte Tageshelle. Ein türkiſcher Teppich war quer über den Fußboden bis zur Treppe hingebreitet, und an beiden Seiten ſtanden zwölf Lakaien in ſteifer, feierlicher Haltung, der Befehle ihrer Herrin gewärtig. Am Fuß der Treppe erwarteten der Oberhofmeiſter und der Oberintendant des Hauſes in ehrfurchtsvoller, gebeugter Haltung die Gräfin, und auf dem Abſatz der Treppe ſah man die Geſellſchafts⸗ dame und die erſte Kammerfrau in tiefſter, ehrerbietigſter Verneigung.

Gräfin Leonore ſchien das Alles gar nicht zu bemerken, und gar nicht zu ahnen, daß Menſchen da waren, welche ſie ſahen, und denen ſie vielleicht mit einem Kopfneigen für ihre ehrfurchtsvollen Grüße hätte danken können. Inmitten des tiefſten, feierlichſten Schweigens ging ſie auf dem Teppich durch die Halle dahin in ihrem weißen Atlasgewande, das in einer langen Schleppe hinter ihr herrauſchte, angethan mit einer Fülle der wundervollſten, koſtbarſten Brillanten, die auf ihrem Haupt, an ihrem Hals und ihren Armen in tauſend wechſelnden, blitzenden Lichtern funkelten. Ihr Haupt war ſtolz empor gerichtet, ihre großen, ſchwarzen Augen blickten ernſt und feſt grade vor ſich hin in das Leere, nicht Einmal wandte ſie ſich auf ihre Umgebung hin, keine Muskel ihres Antlitzes, das bleich und durchſichtig war wie Alabaſter, bewegte ſich, feſt aufeinander gepreßt, als wollten ſie ſich nie einem Worte wieder öffnen, waren die Lippen. So lautlos und unbeweglich, funkelnd im Sternenglanz wie eine überirdiſche Erſcheinung, ſchwebte ſie dahin, und wunderbar war es anzuſchauen, wie ſie jetzt die Treppe hin⸗ auf ſchritt, die lange, weiße Schleppe hinter ihr herwallend wie Schwa⸗ nenflügel, die ſie aufwärts hoben, das blaſſe Antlitz umleuchtet von Fackeln und Kerzen. Auf dem Abſatz der Treppe, inmitten ihrer beiden Frauen blieb ſie ſtehen; mit einer leichten, unmerklichen Bewegung ſenkte ſie ein wenig ihr ſtolzes Haupt, und ihre Blicke richteten ſich mit einem Ausdrucke unausſprechlicher Gleichgültigkeit auf den Haus⸗

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