Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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mit ihrer ſonoren ſchönen Stimme, vor allen Dingen will ich Ihnen heute ein Räthſel aufgeben.

Ein Räthſel! riefen Alle erwartungsvoll.

Ja, ein Räthſel, und wehe dem, der es nicht erräth. Er wird ſchwer geſtraft werden, und ſeine Strafe wird darin beſtehen, daß er für dieſe Nacht dem Schlaf und der Ruhe entſagen muß, rief die Königin.

Das iſt in der That eine harte Strafe, ſagte der König ſeufzend, der Himmel möge daher geben, daß ich Ihr Räthſel löſe, und nicht zu dieſer Strafe verurtheilt werde. Nun alſo, laſſen Sie Ihr Räth⸗ ſel hören!

Hören Sie Alle, ſagte die Königin pathetiſch, und nehmen Sie allen Ihren Verſtand zuſammen, um mein Räthſel zu löſen. Es heißt ſo: um welche Zeit geht die Sonne jetzt auf?

Eine tiefe Beſtürzung zeigte ſich auf allen Geſichtern; Jeder blickte verlegen und ſchweigend vor ſich hin, nur der König lächelte und ließ ſeine blauen Augen mit einem heiterforſchenden Ausdruck auf den Mie⸗ nen der Andern umherſchweifen.

Nun, meine gelehrten Herren, meine geiſtvollen Damen, wollen Sie mein Räthſel nicht löſen, meine Frage nicht beantworten? rief Marie Antoinette fröhlich. Sollten Sie, mein Schwager Philipp, Sie, von welchem ich immer geglaubt habe, daß er Alles weiß, und ſich um

Alles bekümmert, ſollten Sie wirklich nur um den Aufgang der Sonne ſich niemals bekümmert haben?

Das Antlitz des Grafen von Provence verfinſterte ſich ein wenig, denn er verſtand ſehr wohl die leiſe Ironie, welche ſich unter den ſcher⸗

zenden Worten der Königin verbarg.

Ich bekümmere mich nur um diejenigen Dinge, meine Schweſter, ſagte er, welche mich ſelbſt, unſere Familie oder Frankreich angehen. Die Sonne, welche da oben am Himmel ſteht, hat alſo unglücklicher Weiſe gar nicht auf meine Beachtung zu rechnen.

Verurtheilt! ſagte die Königin lächelnd. Kein Schlaf wird dieſe Nacht in Ihre Augen kommen. Und Sie, mein luſtiger Schwager

Artois, Sie, welcher ein ſo warmer Bewunderer der Schönheit ſind,

llten auch Sie gar nichts wiſſen von der Sonne, der Schönſten der