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ſchon das Hotel der franzöſiſchen Geſandtſchaft das Strumpfwaaren⸗ lager, und es ſind vielleicht von dem Secretariat des Herren Fürſten von Rohan in dem letzten Jahr mehr ſeidene Strümpfe verkauft wor⸗ den, als in Paris und Lyon zuſammengenommen.*) Hab' alſo, um dieſem Scandal ein Ende zu machen, die Steuerfreiheit der Geſandten ein⸗ für allemal für Oeſterreich aufheben müſſen, und weiß ſehr wohl, daß ich mir damit den Tadel der auswärtigen Höfe zugezogen. Sie nennen das Engherzigkeit von mir, und wiſſen nicht, daß es das an⸗ ſtößige Benehmen des franzöſiſchen Geſandten iſt, welches mich dazu
gezwungen hat!
Ew. Maſeſtät ſind in der That außerordentlich gnädig, Sich ſo ſpeciell um die Details meiner Haushaltung zu bekümmern, ſagte der Fürſt mit vollkommener Gelaſſenheit, und ich geſtehe Ew. Majeſtät, daß Sie beſſer unterrichtet ſind, als ich! Ich zum Beiſpiel habe nichts gewußt von dieſem Handel mit ſeidenen Strümpfen, aber— ebenſo⸗ wenig weiß ich auch von den Liebesintriguen, welche ich mit den Damen dieſes Hofes unterhalten ſoll. Ich habe leider ein gar kaltes Herz, und ohne Zweifel liegt es daran allein, daß keine einzige der Damen Eindruck auf daſſelbe gemacht hat, und nur meiner Gleichgültigkeit und Indolenz ſchreibe ich es zu, daß ich nicht eine Einzige zu nennen wüßte, welche mir ſchön und liebenswerth erſcheint. Da nun dieſe Beſchuldigungen, welche man gegen meinen innern Haushalt wälzt,— denn Ew jeſtät werden mir geſtatten, meine Herzensangelegenheiten als mein ſten Haus⸗ halt zu bezeichnen,— da nun dieſe Beſchuldigunge umen un⸗ begründet ſind, ſo wage ich daraus zu folgern, daß auch jene Beſchul⸗ digungen, welche man gegen meinen äußern Haushalt richtet, nicht min⸗ der unbegründet ſein mögen. Es iſt vielleicht in meinem Secretariat ebenſo wenig mit ſeidenen Strümpfen gehandelt, als in meinem Herzen mit den Damen des öſterreichiſchen Hofes verhandelt worden iſt! Was aber den Aufwand anbetrifft, deſſen mich Ew. Majeſtät beſchuldigen, ſo finde ich nicht, daß derſelbe meinem Rang, meinem Namen und den Mitteln, welche ich beſitze, nicht angemeſſen wäre, und das iſt wohl das Einzige, was ich darüber zu ſagen nöthig habe!
*) Mémoires de Madame de Campan. Vol. I. P. 47. Kaiſer Joſeph. 2. Abth. III. 1— 3 A*.


