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ſchützenden Schleier über ſein Leben ausbreiten. Da der Herr Erz⸗ biſchof es liebt in Sentenzen zu ſprechen, ſo möge er mir auch eine Sentenz erlauben. Wer unſchuldig iſt, und reinen Herzens, dem mag es ver⸗ ziehen ſein, wenn er im Bewußtſein tadelloſen Wandels die Rückſichten der Etiquette zuweilen aus den Augen ſetzt, wer aber ein üppiges Le⸗ ben führt, und ſich Vergehen gegen die Moralität, ja gegen die Kirche zu Schulden kommen läßt, der ſollte mindeſtens aus Klugheit die Eti⸗ quette niemals verletzen, ſondern ſie vielmehr benutzen als einen Schild, hinter dem er ſeine Scham und ſeine Unehre verbirgt!
Ich danke Ew. Majeſtät für dieſe Sentenz, welche voll großer Weis⸗ heit iſt, ſagte der Cardinal ſich tief verbeugend. Nur erlauben mir Ew. Majeſtät die Frage: an wen ſoll ich dieſen Spruch der Weisheit befördern? Denn ohne Zweifel iſt er nicht für die Frau Dauphine von Frankreich beſtimmt.
Nein, für Sie Selber iſt er beſtimmt, Herr Fürſt! rief die Kai⸗ ſerin außer ſich vor Zorn. Für den Prälaten, den Kirchenfürſten, der, ſonder Scheu aller guten Sitte Hohn ſprechend, ſeinen Liebesaventuren nachgeht, und wenig eingedenk ſeines Standes und ſeiner kirchlichen Würde, ſelbſt mit den Damen meines Hofes ſeine Liebesintriguen un⸗ terhält. Für den Geſandten Frankreichs iſt mein Spruch geweſen, für den Fürſten Louis von Rohan, welcher es zu vergeſſen ſcheint, daß er an dieſem Hofe die Ehre Frankreichs zu vertreten hat, und ein gar wüſtes, lockeres Leben führt. Es iſt ſchön, mein Herr, ein glänzendes Haus zu machen, und ſich zu umgeben mit königlichem Luxus, aber um ſolchen Aufwand mit Würde machen zu können, muß man ihn auch be⸗ zahlen können, und nicht auf Koſten der Leichtgläubigkeit Anderer ihn führen. Ganz Wien kennt jetzt ſchon die Verlegenheiten, welche im franzöſiſchen Geſandtſchaftshötel herrſchen, ganz Wien weiß, daß wäh⸗ rend der Herr Geſandte in ſeinen mit orientaliſcher Pracht ausgeſtat⸗ teten Salons ſeinen Gäſten von ſeiner eigenen Capelle Concerte vor⸗ ſpielen läßt, die Diener der Geſandtſchaft, welche ſchon lange vergeb⸗ lich auf ihre Gage warten, ihren Handelsgeſchäften nachgehen, und von dem Recht der Geſandten, ihren perſönlichen Bedarf ſteuerfrei einzu⸗ führen, einen unrechtmäßigen Gebrauch machend, einen gar ſeltſamen Handel mit Contrebande eingerichtet haben. Ganz Wien nennt jetzt
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