Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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IJ.

1. * 4* Herzenskämpfe.

Die acht Tage Friſt, welche die Kaiſerin der Comteſſe Starhemberg gegeben, waren verfloſſen, und am Morgen des achten ſollte die junge Gräfin ſich entſcheiden, ob ſie den ihr von der Kaiſerin beſtimmten Gemahl annehmen, oder als Nonne in ein Kloſter gehen wolle.

Die Gräfin hatte dieſe acht Tage in einer ſeltſamen, fieberhaften Aufregung zugebracht, und ſowohl ihr Oheim als die ganze Diener⸗ ſchaft des Hauſes hatten viel von ihren Launen zu leiden gehabt, und in heimlicher Angſt und Sorge viel um ſie gelitten.

Sie wird ſich das Leben nehmen, flüſterten die Diener unterein⸗ ander, wenn ſie die Gräfin mit jedem Morgen bleicher aus ihren Ge⸗ mächern hervortreten ſahen, um ſtumm an ihnen vorüberſchreitend hin⸗ abzugehen in den Hof, dort das wildeſte und unbändigſte ihrer Pferde zu beſteigen, und von ihren beiden Dienern begleitet von dannen zu reiten. Wenn ſie dann nach vielen Stunden heimkehrte, ſo wußten die beiden Diener viel zu erzählen von dem wilden Ritt der Gräfin, wie

ſie im Augarten im raſendſten Galopp durch die Alleen dahin gebrauſt, ſo daß die Diener ihr kaum zu folgen vermocht, wie ſie dann wieder

auf einmal ihr Pferd angehalten, und ganz unbeweglich und ſtarr, das Haupt vornüber geneigt an den Hals ihres Pferdes, ſtundenlang auf derſelben Stelle verweilte. Einer der Diener wollte behaupten, ſie habe vor Ermattung geſchlafen, der andere verſicherte, er habe geſehen, daß

die Gräfin bitterlich geweint habe. Und der allerunangenehmſte und

ärgerlichſte Umſtand in dieſen Erzählungen der Diener war es für den

alten Grafen Starhemberg, daß unglücklicherweiſe ſeine Nichte dieſen Aaiſer Joſeph. 2. Abth. III. 1 8