Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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weiches und gutes Herz, rief Maria Thereſia mit flammenden Blicken. Ging's nach ihm, ſo würden die Väter Jeſu noch heute verbannt, und könnten geſchmäht und verhöhnt in der Fremde umherirren. Aber ſie würden freilich nit weit zu wandern haben, denn der König von Preußen, den doch mein Herr Sohn auch den weiſen und großen Friedrich nennt, der König von Preußen iſt gern bereit uns auch die Jeſuiten zu neh⸗ men, wie er uns Schleſien genommen hat. Will auf all die Beſchul⸗ digungen, welche der Herr Sohn gegen die Jeſuiten geſchleudert hat, ihm auch nur antworten mit den Worten dieſes Königs, der ja doch allen modernen Freigeiſtern und Philoſophen als Muſter vorleuchtet. Der König hat auch ſchon das Gerücht vernommen, welches jetzt die Welt durchrauſcht, das Gerücht, es wolle der heilige Papſt zu Rom den Orden der Jeſuiten ganz und gar aufheben, und in Bezug darauf hat der preußiſche König an ſeinen Agenten zu Rom, den Abbé Co⸗ lombine, ein Schreiben gerichtet, von welchem mir unſer dortiger Ge ſandter eine Abſchrift hat zugehen laſſen. Hab' fie heute mit dem italieniſchen Courir bekommen, und es macht mir Freude, ſie dem Herrn Sohn vorzuleſen. Höre Er nur!

Die Kaiſerin nahm von ihrem Schreibtiſch ein Blatt Papier, und mit haſtigem Athem, mit glühenden Wangen las ſie:Sagen Sie es Jedermann, der es hören will, jedoch ohne Prahlerei und Affectation und ſuchen Sie auch eine ſchickliche Gelegenheit es dem Papſt oder ſeinem erſten Miniſter zu ſagen, daß in Anſehung der Jeſuiten mein Entſchluß dahin gefaßt ſei, ſie auf alle Fälle in meinen Staaten in je⸗ nem Zuſtande, in welchem ſie ſich bis jetzt befanden, beizubehalten. Im Breslauer Frieden habe ich in Anſehung der Religion den Status quo für Schleſien garantirt. Ich habe in allen Rückſichten nie beſſere Prie⸗ ſter als die Jeſuiten gefunden. Fügen Sie zugleich auch hinzu, daß, da ich in die Klaſſe der Ketzer gehöre, der heilige Vater mich ebenſo⸗ wenig von der Obliegenheit, mein Wort zu halten, als von den Pflichten eines ehrlichen Mannes und eines Königs dispenſiren könne. Friedrich.*)

Nund rief die Kaiſerin, nachdem ſie zu Ende geleſen. Soll ich, die apoſtoliſche Majeſtät, mich beſchämen laſſen von dem Ketzerkönig?

*) Peter Philipp Wolf: Allgemeine Geſchichte der Jeſuiten. Bd. 4. S. 53.