Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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Aber, mein Kind, dieſe Friſur iſt jetzt die neueſte Mode, und Du wirſt Dich wohl darin fügen, ſie zu tragen, denn was Mode iſt, iſt ſchön!

Ich werde mich nicht darin fügen, ſagte Thereſe, langſam ihr Haupt ſchüttelnd. Jetzt da ich ſehen kann, werde ich nicht ſo ſehr fra⸗ gen, was Mode, ſondern was kleidſam, hübſch und natürlich iſt. Aber jetzt, da ich Menſchen und Thiere kennen gelernt habe, jetzt laßt mich auch die Natur und den Himmel kennen lernen. Mein Arzt, der mir das Licht gegeben, ſoll mir jetzt auch den Himmel geben. Oh, Mesmer, führen Sie mich zu Gott, zur Natur und zum Himmel!

Kommen Sie, Thereſe, wir wollen es verſuchen, ob Sie den An⸗ blick des Lichtes ſchon zu ertragen vermögen, ſagte Mesmer, indem er ſanft ihren Arm in den ſeinen ſchob, und ſie von der Eſtrade her⸗ unter hob.

Aber ſeltſam, Thereſe, welche ſonſt in ihrer Blindheit frei und leicht durch alle Zimmer des elterlichen Hauſes ihren Weg fand, ohne nur einmal anzuſtoßen und ſich zu verwirren, Thereſe bewegte ſich jetzt nur ſchwankend und mit kleinen furchtſamen Schritten vorwärts.

Mein Gott, mein Gott, flüſterte ſie, ſich angſtvoll an Mesmer's Arm klammernd, ſehen Sie nur, wie alle dieſe Dinge auf mich zuſchreiten, ſie werden über uns zuſammenſtürzen und uns zerſchmettern!

Mesmer lächelte. Dieſe Dinge ſtehen feſt, ſagte er, und wir ſind es allein, welche ſich bewegen. Sie werden Sich an alle dieſe neuen Eindrücke gewöhnen, Sie werden durch die Erfahrung die Geſetze der Optik begreifen, und die Größe der Gegenſtände ermeſſen lernen.

Aber was iſt denn das? rief Thereſe verwundert, indem ſie ſich eben dem großen Wandſpiegel näherte, der zwiſchen den Fenſtern an⸗ gebracht war.

Das iſt ein Spiegel, Thereſe.

Aber da drin ſind Sie ja zum zweiten Mal? Wer iſt es, der es wagt, ſo auszuſehen, wie Mesmer?

Das iſt mein Spiegelbild, Thereſe.

Aber welch eine wunderliche Geſtalt mit der abſcheulichen Matig⸗ nonfriſur hängt da am Arm ihres Spiegelbildes?

Das ſind Sie, Thereſe!

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