Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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die Blicke ihm zugewendet, da fliegen ſie ihm nach, da fragt ſich Jeder in ſeinem Herzen, ob das Wahrheit geweſen und Wirklichkeit, oder ob er nur eine Erſcheinung geſehen, welche Gott ihn ſehen ließ? Und wieder richten ſich die Blicke zum Himmel empor, und das Gebet be ginnt auf's Neue!

Weiter die Straße hinauf wandelt der Fremde, und jetzt hat en den kleinen Platz erreicht, auf welchem die Aelteſten der Gemeinde um den Altar verſammelt ſind.

Der Geſang iſt verſtummt, der Rabbiner ſteht vor dem aufge ſchlagenen Buche des Geſetzes, und betet mit lauter, mächtiger Stimme das Gebet der Klage; und alle Männer und alle Franen, die da hei liger Andacht voll den Platz erfüllen, ſie murmeln halb leiſe ſeine Worte ihm nach, und die thränenumdüſterten Blicke gen Himmel ge wendet, flehen ſie zu Gott um Hülfe und Erbarmen.

Der Rabbiner betet noch immerfort. Weshalb wendet auf einmal ſein Blick ſich vom Himmel hernieder? Er ſieht da ſich gegenüber ein von Erbarmen und Rührung ſtrahlendes Angeſicht, es konmt näher und näher! Er ſieht da Augen, ſo blau, als habe ein Stückchen des des Himmels ſich in ſie niedergeſenkt, und dieſe Augen ſchauen ihn an, er hört da eine Stimme, welche ſanft klingt und weich wie ein Gruß liebenden Mitleids, und dieſe Stimme ſagt zu ihm: laßt mich mit Euch beten zu Gott, um Erbarmen und Abhülfe Eurer Noth!

Der Rabbiner hält inne in ſeinem Gebet, die Worte ſtockten auf ſeinen Lippen, er ſtarrt den Fremden an, er mag's und kann’s nicht glauben, was ſein freudejauchzendes Herz ihm ſagt!

Der Fremde ſieht ihn an mit einem Lächeln. Ich bin gekommen, Euch zu helfen, ſagt er mit milder Stinune. Ich wollte mich ſelbſt überzeugen, wie es Euch ergeht, deshalb kam ich hieher, und ich bin zu einer guten Stunde gekommen, denn wenn Ihr auch Euer Elend nur hinausgetragen habt auf die Gaſſe; damit Gott es ſehe, ſo iſt es auch gut, daß ich es geſehen habe! Mir hat Gott, ſo hoffe ich, es vor behalten, Euch Hülfe zu bringen, und ich gebe Euch mein Wort darauf, daß Euch Hülfe werden ſoll! Erſt heute habe ich gehört von der Härte, mit welcher man Euch bis hieher behandelt hat, und daß man Euch nicht hat Theil nehmen laſſen an den Erleichterungen, die ich ge-

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